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Archive for Februar 2010

Ganz in der Nähe von unserem Wohnhaus gibt es eine Hofer-Filiale. Zwischen Gehsteig und Parkplatz sind winterharte niedrige Pflanzen gesetzt worden.
Am Weg nach Hause sahen meine Frau und ich heute zwei Buben (ca 6 Jahre), wie sie versuchten, solche Pflanzen auszureissen. Der Protest meiner Frau – sie ging mit unserem Enkerl Livia einige Schritte vor mir – hinderte die beiden Buben nicht am Weitermachen. Erst als auch ich heftig zu schimpfen begann, hörten sie auf. Aber da forderten mich zwei Frauen, die in einiger Entfernung standen, lautstark auf, mich nicht einzumischen, das ginge mich nichts an und ich solle weiterzugehen. Das waren offenbar die Mütter dieser beiden Buben.

Mein spontanes Argument „Das sind unsere Pflanzen!“ war nach üblichen Kriterien nicht richtig und hatte die naheliegende (höhnische) Frage zur Folge: „Ja haben sie die Pflanzen selbst eingesetzt?“

Es hat jedoch damit zu tun, dass wir uns auch als BewohnerInnen unseres Wohnhauses oder als BenützerInnen des öffentlichen Raumes für dessen Gestaltung interessieren und auch mitverantwortlich fühlen sollten.
In diesem Fall ging es um den Versuch von Kindern völlig sinnlos grüne Pflanzen auszureissen. Ich betrachte sie als „unsere Pflanzen“, weil jede Pflanze in unsererm Grätzl etwas Erfreuliches ist. Und dass Mütter dabei zusehen, ist ganz besonders unerfreulich.
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Ein ca dreijähriges Mädchen schob neben der Mutter ihren Puppen-Buggy, als ich ihnen eines Morgens auf dem Fahrrad begegnete. Die junge Frau schob ihrerseits einen Kinderwagen und hatte es offenbar schon sehr eilig. Vielleicht war ihr Zeitplan in Gefahr, weil das Mädchen langsamer als sie gehofft hatte mit ihrem Buggy vorwärts kam. Die Mutter redete auf das Kind ein und rief schließlich mit deutlicher Verzweifelung in der Stimme: „Ja, so geh doch!“

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Blick des kleinen Mädchens zu ihrer Mutter. Darin lag für mich viel von dem, was ich auch bei unseren beiden Enkerln (Miriam fünf Jahre und Livia zweieinhalb) beobachten kann: Ihr Erstaunen über den Zeitdruck der Eltern und zugleich die Angst um deren Zuneigung, falls sie das höhere Tempo nicht schaffen wollen oder können.

Aus Erlebnissen wie dem anfangs geschilderten und den eigenen Erfahrungen bin ich davon überzeugt, dass Großeltern mehr denn je eine ganz wichtige Aufgabe bei der „Begleitung“ von Kindern haben. Sie können sich – da nicht mehr eingespannt in die „Zeitmaschine“ von berufstätigen Erwachsenen – ganz auf die „entschleunigte Zeit“ von Kindern einlassen! (Und wenn keine „eigenen“ Großeltern zur Hand sind, dann sollten – zusätzlich zu professionellen Einrichtungen – entsprechende Leih-Oma/Opa-Initiativen in der Umgebung für einen geeigneten Ersatz sorgen, zum Vorteil aller Beteiligten!)

In dem Zeitraum, in dem meine Frau oder ich mit unseren Enkerln beisammen sind, hat die Uhr ihre sonst übliche Bedeutung weitgehend verloren. Wir tauchen sozusagen ein in deren eigene Paradieswelt der Phantasie und Abenteuer, in der es unter anderem auch keinen üblichen Zeitbegriff gibt.

Und als ehemalige LehrerIn fürchten wir uns schon davor, wenn Miriam und Livia – derzeit noch etwas geschont im Kindergarten – spätestens in der Volksschule völlig in die zutiefst kinderfeindliche „Zeitmaschine“ Schule geraten, um auf „das Leben“ vorbereitet zu werden. Welches Leben?
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