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Durch Zusammenarbeit von benachbarten Bildungseinrichtungen des „Triesterviertels“ könnte das ganze Grätzl profitieren.

Am 23.3. berichtete die „Kronenzeitung“ von der „Brennpunktschule“ in der Quellenstr.142. (siehe Beitrag „Das Wiener Bildungsgrätzl„).

Wenn Stadtrat Jürgen Czernohorszky und Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer, die beiden wichtigsten für den Bildungsbereich zuständigen Politiker Wiens, gemeinsam mit der „Kronenzeitung“ diese Volksschule besuchen, dann ist das sicher kein Zufall.

Direktor Horst-Edgar Pintarich: „Die Sprachenvielfalt ist nicht unsere größte Herausforderung, sondern die oft schwierigen sozialen Verhältnisse, aus denen die Kinder stammen. Viele Kinder haben Eltern, die selbst nicht ausreichend schreiben oder rechnen können.“

Sein Hilferuf „Wir brauchen dringend mehr Unterstützungspersonal!“ geht vor allem an die Politik.

Neben dieser Volksschule wird derzeit eine „Neue Mittelschule“ errichtet. Sie soll im neuen Schuljahr eröffnet werden.

…………..Quellenstr.142-25.3.17

Könnte nicht auch hier eine neue Form der Schulkooperation im Sinne des „Wiener Bildungsgrätzl“ erprobt werden, das Stadtrat Jürgen Czernohorszky im März vorgestellt hat?

„Das Sprichwort „It takes a village to raise a child” – man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen – soll in Wien in Form von „Bildungsgrätzln“ Realität werden.“

Das Konzept der „Wiener Bildungsgrätzl“

„Die Wiener Bildungsgrätzl sind lokale Kooperationen von verschiedenen Lerneinrichtungen, aber auch mit Vereinen, Initiativen und Einrichtungen in unmittelbaren Umgebung, die etwas zum Lernen beitragen können: Einbezogen werden können Kindergärten, verschiedenste Schulformen, Freizeiteinrichtungen, Jugendtreffs, Volkshochschulen, Musikschulen, Büchereien und vieles mehr. Im Zusammenspiel der vielfältigsten Angebote wird es auch möglich, dass für alle individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der lernenden Menschen etwas dabei ist.“

Dieses „Bildungsgrätzl“- Konzept soll auch im dichtverbauten Stadtgebiet zur Anwendung kommen, ähnlich dem Beispiel „Bildungsgrätzl Spielmanngasse“ im 20.Bezirk:

„Das wird aber keine eigene Mittelschule mit eigener Direktion werden, sondern die Klassen werden den bestehenden beiden Volksschulen angeschlossen. Die Ressourcen für die nicht benötigte NMS- Direktion werden den VolksschuldirektorInnen zur Verfügung gestellt und wir schaffen eine Unterstützung im Verwaltungsbereich!“

Insgesamt wird damit auch die Nahtstelle zwischen Volksschule und Mittelschule optimiert. LehrerInnen der Volksschule können auch in die Mittelschule mitgenommen werden. Auch ein gemeinsames pädagogisches Profil für die gesamte Schullaufbahn von 6 bis 14 an einem Standort soll entwickelt werden. Darüber hinaus sollen bestehende Kooperationen mit der Singschule und den Bildungspartnern vor Ort strukturiert ausgebaut werden. Alle gemeinsam können, auch mit dem Bezirk, an Schwerpunkten und gemeinsamen Pläne für die Zukunft des Grätzls mitarbeiten.“

Könnte etwas Ähnliches nicht auch bei uns geschehen?

In der benachbarten Knöllgasse 20-24 feiert das „Phönix Realgymnasium“ in diesem Jahr ein Jubiläum. Gemeinsam mit unserem kleinen Verein „triesterviertel.at“ ist für Oktober die Präsentation: „Zehn Jahre Phönix-Realgymnasium im Triesterviertel“ geplant.

………………………….Phoenix-25.4.08

Eine Kooperation zwischen Volksschule, „Neuer Mittelschule“ und dem „Phönix-Realgymnasium“ müsste doch im Sinne der „Bildungsgrätzl“- Idee möglich sein.

Ebenso mit den in der Nähe befindlichen  Kindergärten, einer katholischen und einer evangelischen Pfarre und den Bildungseinrichtungen Spacelab und Interface für Jugendliche und junge Erwachsene.

Und für generationsübergreifende Aktivitäten würde sich das nahegelegene „Pflegewohnhaus Innerfavoriten“ in der ehemaligen Hellerfabrik in der Bernhardtstalgasse/Davidgasse beim Belgradplatz sehr gut eignen, ebenfalls mit beidseitigem Gewinn.

Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

Dazu passende Beiträge:

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Ein Plan vom SPÖ Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky wird hier zur Diskussion gestellt.

Im März hat SPÖ Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky vor einem Wiener Parteigremium eine bemerkenswerte Rede über seine Vorstellungen in Richtung „Wiener Bildungsgrätzl“ gehalten.

Mir gefällt diese Idee sehr gut, weil sie den Zielen der „Nachbarschaftsschule“ bzw.  „Grätzlschule“ als Bildungs- und Begegnungszentrum eines Stadtteils sehr nahe kommt. Ich fände es daher sehr schön, wenn es möglich wäre, mit Zustimmung ALLER  anderen politischen Parteien auch im „Triesterviertel“ ein solches „Wiener Bildungsgrätzl“ zu entwickeln (z.B. in der Quellenstr.142 oder in der Knöllg.59 und 61).

„Hoher Besuch“ in der „Brennpunktvolksschule“ Quellenstr.142 am 20.3.2017:

Krone 20.3.2017

Bezirks-Vize Kaindl, Stadtschulrat Himmer und Bildungsstadtrat Czernohorszky (v. li.) in der Schule (Kronenzeitung, 20.3.2017, Foto: Martin A.)

Hier stelle ich Teile der Rede zur Diskussion und werde mich bemühen, in diesem WordPress-Blog oder auf der Webseite www.triesterviertel.at auch Bewertungen der anderen im Bezirk vertretenen Parteien zu diesem Plan zu veröffentlichen.

Aus einer Rede von SPÖ Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky vom 23.3.2017:

Das Sprichwort „It takes a village to raise a child” – man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen – soll in Wien in Form von „Bildungsgrätzln“ Realität werden.

„Die Idee dahinter ist, dass Kinder dann die besten Chancen haben, wenn die gesamte Gemeinschaft Anteil an ihrer Entwicklung nimmt und aktiv etwas dazu beiträgt. Jedes Kind verdient die Chance, seine Talente zu entfalten, sein Potenzial auszuschöpfen!“

Was wir dafür brauchen, ist ein Bildungssystem, bei dem der lernende Mensch im Mittelpunkt steht. Dieses neue Lernen hat etwas mit Entwicklung zu tun, mit Erfahrungen, Einsichten und Erlebnissen. Um diese Form des Lernens zu fördern, brauchen wir eine radikale Öffnung und Vernetzung aller verfügbaren Bildungsangebote. Diese Vernetzung sollte aber nicht willkürlich erfolgen. Ein gutes Zusammenspiel kann am ehesten gelingen, wenn man möglichst lokal und in seiner unmittelbaren Umgebung damit beginnt – also in einem überschaubaren, vertrauten Rahmen.

Das Konzept der „Wiener Bildungsgrätzl“

Die Wiener Bildungsgrätzl sind lokale Kooperationen von verschiedenen Lerneinrichtungen, aber auch mit Vereinen, Initiativen und Einrichtungen in unmittelbaren Umgebung, die etwas zum Lernen beitragen können: Einbezogen werden können Kindergärten, verschiedenste Schulformen, Freizeiteinrichtungen, Jugendtreffs, Volkshochschulen, Musikschulen, Büchereien und vieles mehr. Im Zusammenspiel der vielfältigsten Angebote wird es auch möglich, dass für alle individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der lernenden Menschen etwas dabei ist.

Beispiel „Bildungsgrätzl Spielmanngasse“

Das Konzept soll aber auch im dichtverbauten Stadtgebiet zur Anwendung kommen: So ist beispielsweise ein neues Bildungsgrätzl rund um die Spielmanngasse und Dietmayergasse im 20. Bezirk geplant: Dort gibt es derzeit zwei Volksschulen, eine Singschule, einen MA 10 Kindergarten, das Vienna Nachwuchszentrum und das Hallenbad Brigittenau. Bis zum Schuljahr 2018/19 werden die beiden Volksschulen um 16 Klassen für 10 bis 14 jährige erweitert.

„Das wird aber keine eigene Mittelschule mit eigener Direktion werden, sondern die Klassen werden den bestehenden beiden Volksschulen angeschlossen. Die Ressourcen für die nicht benötigte NMS- Direktion werden den VolksschuldirektorInnen zur Verfügung gestellt und wir schaffen eine Unterstützung im Verwaltungsbereich!“

Insgesamt wird damit auch die Nahtstelle zwischen Volksschule und Mittelschule optimiert. LehrerInnen der Volksschule können auch in die Mittelschule mitgenommen werden. Auch ein gemeinsames pädagogisches Profil für die gesamte Schullaufbahn von 6 bis 14 an einem Standort soll entwickelt werden. Darüber hinaus sollen bestehende Kooperationen mit der Singschule und den Bildungspartnern vor Ort strukturiert ausgebaut werden. Alle gemeinsam können, auch mit dem Bezirk, an Schwerpunkten und gemeinsamen Pläne für die Zukunft des Grätzls mitarbeiten.

In Wien gibt es über 90 Schulstandorte, an denen Volksschulen und Neue Mittelschule in unmittelbarer Nähe liegen. An über 20 Standorten liegt auch noch ein MA 10 Kindergarten in der Nähe. Es können auch gemeinsame Unterrichtsstunden und Freizeitaktivitäten von Volksschulen und Kindergärten stattfinden.

…………Quellenstr.142-25.3.17

Fritz Endl: Derzeit wird neben der bestehenden Volksschule Quellenstr.142 eine „Neue Mittelschule“ gebaut. Die Eröffnung wird schon im kommenden Schuljahr sein. Könnte das nicht ein Schritt in Richtung „Bildungsgrätzl Quellenstraße“ werden?

Grätzl-Projekt „Summer Schools“

Das Bildungsgrätzl – ob im dichtverbauten Gebiet oder in neuen Stadtvierteln rund um einen Campus – bietet aber auch Raum für konkrete Projekte, mit denen wir Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft begegnen wollen.

Ein weiteres Grätzl-Projekt sind die „Summer Schools“: In der Stadt gibt es schon jetzt während des Sommers viele verschiedene Angebote, „mit den ‚Summer Schools‘ soll nun das Ferienbetreuungsangebot für Kinder in Wien um den Aspekt der Grundkompetenzen-Förderung erweitert und verstärkt angeboten werden. Dabei soll der Rückfall, insbesondere für Kinder mit Sprachdefiziten, im Sommer minimiert werden und andererseits ein cooles Ferienbetreuungsprogramm für Kinder und Jugendliche an Wiener Schulen geschaffen werden.

Die klassischen Lernangebote sollen durch spannende Freizeitaktivitäten in den Bereichen Forschung, Sport und Natur entdecken ergänzt werden. Schon diesen Sommer werden – zusätzlich zu den anderen Sommerangeboten –ein bis zwei Pilotprojekte an Wiener Schulen stattfinden, 2018 sollen Sommerschulen an vielen weiteren Wiener Schulen zum Ferien-Alltag gehören.

„Ich möchte alle BildungspartnerInnen und explizit jeden einzelnen Bezirk einladen, die Entwicklung der Wiener Bildungsgrätzl mitzugestalten. Wir beginnen heute und hier und jetzt damit. Weil Bildung nicht mehr nur in der Schule stattfindet, sondern überall dort, wo die Wiener Kinder sind: Zuhause bei ihren Eltern, in der Schule, im Jugendzentrum, im Musikverein, der Bibliothek oder im Park ums Eck.

„Kurz gesagt: It takes a Grätzl to raise a child!”

Dazu passend  frühere WordPress-Texte:

https://fritzendl.wordpress.com/2015/01/23/mehrstufenklassen-und-superar-an-volksschulen/

https://fritzendl.wordpress.com/2015/11/30/wo-ist-der-zentralverein-der-wiener-lehrerschaft/

https://fritzendl.wordpress.com/2016/11/30/eine-neue-mittelschule-wird-im-triesterviertel-gebaut/

https://fritzendl.wordpress.com/2017/02/28/mehrstufenklassen-statt-jahrgangsklassen-an-alle-volksschulen/

Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

Nachbarschafts („Grätzl“-) Volksschulen mit mehrsprachigen Mehrstufenklassen statt einsprachigen Jahrgangsklassen sind „Investitionen mit Gewinngarantie“ in die Zukunft unserer Gesellschaft.

Als Lehrer in den 70-er und 80-er Jahre an einer Hauptschule in Wien Favoriten (heute eine typische „Soziale Brennpunktschule“) engagierte ich mich zunehmend für eine Öffnung aller Schulen für die sie umgebende Nachbarschaft („Grätzlschule“,  „Stadtteilschule“, Community School usw.)

Dadurch könnten Eltern und Großeltern das Schulgebäude auch als „ORT DER BEGEGNUNG“  erleben, die Schule als örtliches Kulturzentrum!

Seit sechs Jahren dürfen meine Frau (sie war Volksschullehrerin in Favoriten) und ich als Großeltern zweier Mädchen die Mehrstufenklasse (MSK) einer öffentlichen Volksschule in der Haebergasse in Wien Meidling bei verschiedenen Gelegenheiten begleiten. Die Ältere ist schon in der 6.Schulstufe und die Jüngere wird diese Schule demnächst ebenfalls verlassen.

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In diesen sechs Jahren als MSK- „Begleit-Großeltern“ wurden wir nun auch zu Befürwortern von Mehrstufenklassen an allen Volksschulen.

Uns ist natürlich bewusst, wie subjektiv unsere Erfahrungen und Eindrücke aus diesen sechs MSK-Jahren mit unseren Enkerln sind/sein müssen.

Wir begleiten unsere beiden Enkerln seit dem ersten Schultag aus Großelterndistanz auf  deren – für uns alle neuen – „Schulweg“.

Neu an der MSK und sofort sichtbar für uns war vor allem: Es gibt Kinder von vier Jahrgangsstufen und es unterrichten ZWEI Lehrerinnen. Dass diese beiden Lehrerinnen gut zusammenarbeiten und sie mit großem Einsatz bereit und auch fähig sind, aus dieser unterschiedlichen Kindergruppe eine Gemeinschaft zu formen, die einander hilft, beeindruckte uns immer mehr.

Es zeigt sich auch hier: In erster Linie kommt es auf entsprechend ausgebildete und kinderliebende LehrerInnen an. Und: Sie brauchen Rahmenbedingungen, die sie bei ihrer Arbeit möglichst gut unterstützen. (Dazu mehr im Anschluss)

Unsere Enkerln wussten z.B. bald, welche älteren MitschülerInnen sie ebenfalls um Hilfe bitten konnten und später konnten sie den Jüngeren helfen. Und da diese MSK Teil einer öffentlichen Volksschule ist mit Kindern mit nichtdeutscher Erstsprache, können sie einander z.B. auch bei Sprachproblemen rasch helfen und somit die LehrerInnen entlasten.

Wir sind dem glücklichen Zufall sehr dankbar, dass unsere beiden Enkerln „gleich ums Eck“ in diese MSK gehen konnten und sie zudem solche Lehrerinnen hatten. Auch aus dieser Dankbarkeit heraus möchten wir uns künftig für den Ausbau von MSK einsetzen, damit möglichst viele andere Großeltern ihre Enkerln ebenfalls in solchen Klassen begleiten können.


Einige Fragen von Eva Pankratz

(Mutter eines MSK-Kindes in der Volksschule Ortnergasse 4 im 15.Bezirk):

* Was wird mit den bestehenden Mehrstufenklassen ab 1.9.2017 passieren?

* Gibt es eine Finanzierungszusage ?

* Was soll mit den Kindern dieser Klasse passieren, falls eine TeamlehrerInnenfinanzierung nicht geklärt ist oder die DirektorInnen gegen Mehrstufenklassen sind?

* Gibt es eine Fixzusage für bestehende Mehrstufenklassen?

* Gibt es ein mögliches Ausstiegsszenario, wenn die Finanzierung nicht geklärt ist usw.


Werner Mayer:

Ehemaliger Schulleiter der VS 15, Ortnergasse 4, deren Mehrstufenklasse zu den ersten in Wien zählt, und derzeit Mitglied der Forschungsgruppe Literalität und Mehrsprachigkeit am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien

Zur Zukunft der Wiener Mehrstufenklassen

Zwei grundlegende Aspekte:

1 – Die Wiener Mehrstufenklassen haben die Vorgaben der aktuellen Bildungsreform im Bereich der Grundschule in vollem Umfang erfüllt und das seit gut zwanzig Jahren.

Die bisher veröffentlichten Texte zur Bildungsreform stellen Individualisierung und Kompetenzorientierung in den Mittelpunkt, räumen autonomer Organisation der Stufengliederung Raum ein und gewähren Freiheit der Leistungsbeurteilung. Gut. Aber wirklich nicht neu.

2 – Die Wiener Mehrstufenklassen können nach zwei Dezennien im Stadium des Schulversuchs in das Regelschulwesen übergehen. Können. Müssen nicht. Wenn, dann unter den Bedingungen der Regelschule. Es kann jedenfalls bedeuten, dass künftig Mehrstufenklassen in der Zuteilung von LehrerInnenstunden allen Jahrgangsklassen gleichgestellt sein werden.

Die Wiener Mehrstufenklassen entstanden aus dem Wunsch heraus, den zentralen Forderungen des Grundschullehrplans (aus dem Jahr 1985!) nach Individualisierung des Unterrichts und der Förderung aller einzelnen Kinder in einer Weise nachzukommen, die durch das Kalenderdiktat der Jahrgangsklasse bzw. einen weitest gehend gleichgeschalteten Unterricht für die Gesamtklasse erschwert wird.

Jahrgangsklassen – und hier nehme ich alle jene aus, die sich durch Individualisierung und persönliche Förderung auszeichnen – erwecken die Illusion einer homogenen, gleich bildbaren Alterskohorte, bzw. dass Gleichaltrige durch jeweils ein altersgemäßes Unterrichtsprogramm zu laufen haben. Nicht bedacht wird, dass die Altersspanne einer Jahrgangsklasse eineinhalb Lebensjahre oder mehr beträgt und dass einzelne Kinder in verschiedenen Lernbereichen der angenommenen Altersnorm verschieden weit voraus oder hintendrein sein können.

Mehrstufenklassen können/konnten diesen Aspekt problemlos abfedern, weil hier immer alle Stufenprogramme gleichzeitig angeboten werden. Ein Kind, das bei Schuleintritt lesen kann, muss sich nicht durch ein monatelanges Erstleseprogramm mit Buchstaben und Silben quälen. Ein Kind, dem sich Lesen nicht in der vorgesehen Zeit erschließt, findet immer Unterrichtsangebote, die seinem Niveau entsprechen.

Jahrgangsklassen – auch hier nehme ich alle jene aus, die sich durch Individualisierung und persönliche Förderung auszeichnen – arbeiten ihre Inhalte ab, im Takt von einführender Erklärung, Übung und Überprüfung des Unterrichtsertrags. Kinder, die aus diesem Takt fallen, haben in der Regel Pech, denn nach der Überprüfung kommt einen neuer Zyklus mit einführender Erklärung, Übung und Überprüfung des Unterrichtsertrags mit neuem Inhalt.

Mehrstufenklassen wollen/wollten den Kindern durch in Jahreszyklen wiederkehrenden Inhalten jene Redundanz bieten, die Lernen erleichtert und vertieft. Was in einem Zyklus fremd und unzugänglich ist, kann im nächsten einleuchtend werden und im nächsten geläufig.

Jahrgangsklassen – auch hier meine ich nur die mit solitärem, synchronem Programm für alle – sind bald einmal durch Anwesenheit von mehrsprachigen Kindern in der Klasse überfordert, deren Deutsch noch nicht auf der Höhe der einsprachigen Alterskohorte ist. Einführende Erklärungen der Lehrerin/des Lehrers zu wichtigen Inhalten können nur schwer auf einem rudimentär einfachen Sprachniveau – das von allen verstanden wird – erfolgen.

Mehrstufenklassen wollen/wollten auch diese schwierigen Situationen entschärfen, indem sie den LehrerInnen-Vortrag aus dem Zentrum nehmen und durch kommunikative Auseinandersetzung mit – und in – der Kindergruppe ersetzen. Denn Kinder finden in der Regel mit Leichtigkeit eine zugängliche Sprache. Dasselbe gilt hier für die Rezeption der Lehrbücher. Wenn die Rolle von Lehrbüchern aus dem Rang von Anweisungen hin zu Informationsquellen verschoben wird, läuft die Bearbeitung neuer Inhalte grundsätzlich in kommunikativer, verständlicher Auseinandersetzung individuell und kompetenzorientiert.

In diesem Sinn verstehen/verstanden sich Wiener Mehrstufenklassen nicht als Gegenentwurf zu traditionellen Jahrgangsklassen sondern als organisatorischer Rahmen, der genau das zum Ziel hat, was die aktuelle Bildungsreform proklamiert.

Die Wiener Mehrstufenklassen haben sich von Beginn an nicht als Klassen mit Abteilungsunterricht verstanden, in dem je Kind ein Teil LehrerInnen-Zuwendung von drei Teilen Stillarbeit abgelöst wird. Unterricht bedeutet je Kind ein auf seine Eigenart abgestimmtes, begleitetes Arbeitsprogramm eingebettet in – kommunikativ gestaltete – Gruppenprozesse.

Wiener Mehrstufenklassen waren von Beginn an als Teamteaching konzipiert, als Gegenentwurf zum Abteilungsunterricht und als einzige Möglichkeit, eine überschaubare und in ihrer Diversität sichtbare Gruppengröße begleiten zu können. Sicherlich: die Teamteaching-Zeiten für Mehrstufenklassen wurden in den letzten Jahren sukzessive auf elf Wochenstunden reduziert, immer mit der Erklärung der unleistbaren Kosten. Von über 300.000 GrundschülerInnen in Österreich machen 3.000 in Wiener Mehrstufenklassen etwas unter einem Prozent aus. Nach bestehendem Berechnungsschlüssel für den LehrerInnen-Personalplan macht das ein Verhältnis von 12.000 zu 120 Vollbeschäftigungsequivalenten aus. Also leistbar.

Nun stehen aber die Wiener Mehrstufenklassen nicht nur vor dem Aus der Ära des Schulversuchs. Wenn das in der Schulversuchsbeschreibung festgelegte Teamteaching nicht ins Regelschulwesen übernommen wird – und nichts deutet darauf hin, dass es beibehalten werden soll – wenn also eine Lehrerin/ein Lehrer die vier – im Fall von Kindern auf der Vorschulstufe fünf – Schulstufen allein bestreiten soll, fällt alles, was an Innovation und pädagogischer Optimierung zustande gekommen ist, in den Abteilungsunterricht zurück.

In allen veröffentlichten Ausführungen zur Bildungsreform werden Maßnahmen als – erstmals – möglich beschrieben, die in den Wiener Mehrstufenklassen verwirklicht sind. Der Haken findet sich aber in kaum sichtbaren Details: für organisatorische Entscheidungen zu stufenübergreifendem Unterricht an den Standorten sollen pädagogische Argumente Vorrang haben, aber nur, wenn die Regeln des Finanzlandesausgleichs nicht verletzt werden. Vorsorglich wird darauf hingewiesen, dass sich diese Regeln nicht ändern. Der Schulleitung und dem Schulforum wird eine Entscheidungsfunktion zugestanden aber im selben Absatz von der Entscheidung der Schulbehörde eingeschränkt, die natürlich vom Finanzlandesausgleich abhängig ist.

Mehrstufenklassen werden von Eltern sehr bewusst für ihre Kinder gewählt und sie nehmen auch längere Schulwege in Kauf. 3000 Kinder in Mehrstufenklassen haben gegen 6000 Erziehungsberechtigte. Es wird aber sehr schwer sein, ihnen zu erklären, dass aufgrund geänderter Rahmenbedingungen bestehende Mehrstufenklassen aufgelöst werden müssen.

Die Folgen-Abschätzung eines Ausstiegs ist alarmierend. Eine Auflösung ist wahrscheinlich das Komplizierteste an dieser Organisationsform. Eine sofortige Aufteilung der Kinder – also alle ohne die AbgängerInnen der vierten Schulstufe – auf bestehende Jahrgangsklassen verkraftet sicherlich keine Schule. Das bedeutet für etliche Kinder auch Schulwechsel. Ein Ausschleichen – indem in den Folgejahren keine Kinder mehr in die Klasse aufgenommen werden – ist genau ein Schuljahr möglich. Im zweiten Jahr sinkt die SchülerInnen-Zahl unter die Klassen-Mindestgröße und ein Aufteilen innerhalb der Schule oder auch auf andere Schulen lässt sich wohl nicht mehr vermeiden.

Abgesehen von den organisatorischen Schwierigkeiten stehen die Akteure von Mehrstufenklassen – das LehrerInnen-Team, die Kinder und ihre Eltern – im Regen, weil die Verlässlichkeit der Schule ausfällt, weil soziale Bindungen vor der Zeit beendet werden, weil pädagogisches Kalkül von angeblicher Unfinanzierbarkeit konterkariert wird. Und sie bleiben solang im Regen stehen, solang die Rahmenbedingungen des Teamteaching ungeklärt ist.

Dazu passen die beiden Beiträge:

Mehrstufenklassen und Superar an Volksschulen

Wo ist der Zentralverein der Wiener Lehrerschaft?

Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

 

Eine Zusammenarbeit ALLER demokratischen Kräfte

ist mehr denn je gefragt: GLOBAL UND LOKAL

Als Sohn eines deutschnationalen Vaters (Jg.1896) hätte ich mir nie gedacht, dass wir wieder so nahe an Entwicklungen wie in den 30-er Jahren kommen würden.

……………………………….trump-falter300 Aus „Falter“ Nr.51052a/16 „Die Zukunft der Kommunikation-Ein Reader“

Hitler wurde „demokratisch gewählt“ und setzte nur Wahlversprechen um…….inklusive Vernichtung der jüdischen Bevölkerung.

Zum beunruhigenden Vergleich der Text von Volker Ullrich

in der „Zeit-Online“ von heute: (Hervorhebungen: FE)

Über Adolf Hitler: „Ruhig abwarten!“

Das Amt wird ihn vernünftig machen, sein Kabinett ihn zähmen. Eine Diktatur? Undenkbar. Wie Journalisten, Politiker, Schriftsteller und Diplomaten Hitlers Ernennung zum Reichskanzler kommentierten.

Gibt es Anlass zur Sorge? Nein, fand der Hamburger Nikolaus Sieveking, ein Angestellter im Weltwirtschafts-Archiv: „Aus der Tatsache der Hitlerschen Kanzlerschaft irgendwelche Sensation zu machen, halte ich für kindisch genug, um es seinen getreuen Anhängern zu überlassen“, notierte er am 30. Januar 1933 in sein Tagebuch.

Wie Sieveking nahmen viele Deutsche dieses Datum zunächst nicht als einen dramatischen Wendepunkt wahr. Kaum jemand ahnte, was die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler tatsächlich bedeutete. Viele Zeitgenossen reagierten erstaunlich gleichgültig auf das Ereignis.

Zweimal hatten die Kanzler der Präsidialkabinette im Lauf des Jahres 1932 gewechselt – auf Heinrich Brüning war Anfang Juni Franz von Papen gefolgt und auf diesen Anfang Dezember Kurt von Schleicher. Man hatte sich an das Tempo schon fast gewöhnt. Warum sollte die Regierung Hitler mehr als eine Episode sein? In der Wochenschau der Kinoprogramme wurde die Vereidigung des neuen Kabinetts als letzter Beitrag gebracht, nach den sportlichen Großereignissen.

Dabei hatte Hitler in „Mein Kampf“ und in seinen zahlreichen Reden vor 1933 nie verheimlicht, was er, einmal an der Macht, zu tun gedachte: das demokratische „System“ von Weimar abzuschaffen, den „Marxismus“ (womit Sozialdemokratie und Kommunismus gleichermaßen gemeint waren) „auszurotten“ und die Juden aus Deutschland zu „entfernen“. Was die Außenpolitik betraf, hatte er keinen Hehl daraus gemacht, dass es ihm zunächst um die Revision des Versailler Vertrages ging, das langfristige Ziel aber auf die Eroberung von „Lebensraum im Osten“ gerichtet war.

Die Kamarilla um Reichspräsident Paul von Hindenburg, die ihn durch ein Intrigenspiel an die Macht gehievt hatte, war mit ihm einig in dem Ziel, eine Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie zu verhindern, die Fesseln von Versailles zu sprengen, die Streitkräfte massiv aufzurüsten und Deutschland wieder zur ersten Großmacht in Europa zu machen. Was die weiteren Absichtsbekundungen Hitlers betraf, waren seine konservativen Bündnispartner geneigt, sie als bloße Rhetorik abzutun. Erst einmal im Amt, werde er schon vernünftig werden. Außerdem glaubte man, Hitler so „eingerahmt“ zu haben, dass man ihn in seinen Machtambitionen zügeln und die Dynamik seiner Bewegung kontrollieren konnte. „Was wollen Sie denn?“, hielt Vizekanzler Papen, der eigentliche Architekt des Bündnisses vom 30. Januar, Kritikern entgegen. „Ich habe das Vertrauen Hindenburgs. In zwei Monaten haben wir

Fahrlässiger konnte Hitlers Machtwille nicht unterschätzt werden. Zwar besaßen die neun konservativen Minister im „Kabinett der nationalen Konzentration“ ein deutliches Übergewicht über die drei Nationalsozialisten. Doch Hitler hatte dafür gesorgt, dass zwei Schlüsselressorts mit seinen Männern besetzt wurden: Das Reichsinnenministerium übernahm Wilhelm Frick. Hermann Göring, Minister ohne Geschäftsbereich, bekam das preußische Innenministerium und erhielt damit Zugriff auf die Polizei im größten deutschen Staat – eine wichtige Voraussetzung für die Errichtung der NS-Diktatur.

Als der starke Mann im Kabinett galt der Medienmogul und Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei Alfred Hugenberg. Er erhielt das Wirtschafts- und Landwirtschaftsressort, sowohl im Reich als auch in Preußen. Dass der neue Superminister bereits am 31. Januar gegenüber dem Leipziger Bürgermeister Carl Goerdeler bekannt haben soll, er habe die „größte Dummheit“ seines Lebens gemacht, indem er sich mit dem „größten Demagogen der Weltgeschichte“ verbündete, ist wenig glaubhaft. Denn Hugenberg war wie Papen und die übrigen konservativen Minister davon überzeugt, Hitler nach den eigenen Vorstellungen lenken zu können.

Diese Illusion teilte er mit Vertretern der Großindustrie. In einem Leitartikel in der Deutschen Allgemeinen Zeitung, dem der Schwerindustrie nahestehenden Blatt, erklärte Chefredakteur Fritz Klein, die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten werde sich vermutlich „schwierig und aufreibend gestalten“, doch einmal habe „der Sprung ins Dunkle“ ja gewagt werden müssen, weil die Hitler-Bewegung zum stärksten politischen Faktor in Deutschland geworden sei. Der Führer der NSDAP müsse nun beweisen, „ob er das Zeug zum Staatsmann besitzt“. An den Börsen zeigte sich keine Beunruhigung; man wartete zunächst einmal ab……….

„Die Zeichen stehen auf Sturm“

In seiner im englischen Exil geschriebenen Geschichte eines Deutschen erinnerte sich der Publizist Sebastian Haffner 1939 an den „eisigen Schreck“, der ihn sechs Jahre zuvor als Referendar am Berliner Kammergericht bei der Nachricht von Hitlers Ernennung befallen hatte. Einen Augenblick lang habe er „fast körperlich den Blut- und Schmutzgeruch um diesen Mann Hitler“ empfunden. Doch noch am Abend des 30. Januar habe er mit seinem Vater, einem liberalen Reformpädagogen, die Aussichten der neuen Regierung diskutiert, und man sei sich rasch einig gewesen, dass sie wohl einiges Unheil anrichten könne, aber nicht lange im Amt bleiben werde. ……..

Es wird schon nicht so schlimm kommen – das war auch der Tenor der großen liberalen Blätter. ……..Ein Verbot der Kommunistischen Partei stehe auf dem Programm, und mit einer Einschränkung der Pressefreiheit sei zu rechnen. Doch auch die Fantasie des sonst so hellsichtigen Journalisten reichte nicht aus, um sich einen nur halbwegs zutreffenden Begriff von den Möglichkeiten einer totalitären Diktatur zu machen. Es gebe „eine Grenze, über die hinweg die Gewalt nicht dringt“, schloss er. Im deutschen Volk, das immer stolz gewesen sei auf „die Freiheit des Denkens und des Wortes“, werde sich „seelischer und geistiger Widerstand“ regen und allen Diktaturgelüsten Schranken setzen.

In der Frankfurter Zeitung äußerte der für die Innenpolitik zuständige Redakteur Benno Reifenberg Zweifel an der „menschlichen Qualifikation“ Hitlers für das Amt des Reichskanzlers, schloss aber nicht aus, dass er sich mit der Verantwortung wandeln und Respekt verschaffen könne. Wie Theodor Wolff bezeichnete es Reifenberg als „eine hoffnungslose Verkennung unserer Nation, zu glauben, man könne ihr ein diktatorisches Regime aufzwingen“: „Die Vielfältigkeit des deutschen Volkes verlangt die Demokratie.“

Weniger zuversichtlich zeigte sich Chefredakteur Julius Elbau in der Vossischen Zeitung. „Die Zeichen stehen auf Sturm“, hieß es in einem ersten Kommentar. Zwar habe sich Hitler mit seinem Anspruch auf den ausschließlichen Besitz der Macht nicht durchsetzen können: „Es ist kein Kabinett Hitler, sondern eine Regierung Hitler/Papen/Hugenberg.“ Aber bei allen inneren Gegensätzen sei sich dieses Triumvirat einig darin, „den völligen Bruch mit dem Bisherigen zu vollziehen“. Angesichts dieser Aussicht warnte die Zeitung: „Ein gefährliches Experiment, das man nur mit tiefer Sorge und schärfstem Mißtrauen begleiten kann.“

Besorgt war auch die Linke. In ihrem Aufruf vom 30. Januar hielten Parteivorstand und Reichstagsfraktion der SPD ihre Anhänger dazu an, den „Kampf auf dem Boden der Verfassung“ zu führen. Jeder Versuch der neuen Rechtsregierung, die Verfassung zu verletzen, werde „auf den äußersten Widerstand der Arbeiterklasse und aller freiheitlich gesinnten Volkskreise stoßen“. In dem strikten Beharren auf ihrem Legalitätskurs übersah die SPD-Führung, dass die demokratische Verfassung von Weimar unter den vorangegangenen Präsidialregierungen schon ausgehöhlt worden war und Hitler nicht zögern würde, die letzten Reste zu zerstören.

Einer Fehleinschätzung unterlag auch die KPD, als sie zum „Generalstreik gegen die faschistische Diktatur der Hitler, Hugenberg, Papen“ aufrief. Angesichts von sechs Millionen Arbeitslosen gab es unter den Beschäftigten wenig Neigung, in den Ausstand zu treten. Der Appell, eine gemeinsame Abwehrfront zu bilden, stieß wiederum bei den Sozialdemokraten auf wenig Gegenliebe, konnten sie doch nicht so schnell vergessen, dass die Kommunisten sie noch kurz zuvor als „Sozialfaschisten“ diffamiert hatten……

Grotesker konnte man die von Hitler ausgehende Gefahr nicht verkennen. Die meisten führenden Sozialdemokraten und Gewerkschafter waren im Kaiserreich groß geworden. Sie konnten sich allenfalls eine Repression in Gestalt des Bismarckschen Sozialistengesetzes vorstellen, nicht aber, dass jemand mit der völligen Zerstörung der Arbeiterbewegung Ernst machen würde.

Nur fünf Monate brauchte Hitler

Dass mit Hitler ein fanatischer Antisemit an die Macht gekommen war, hätte die in Deutschland lebenden Juden am stärksten beunruhigen müssen. …… So sei man überzeugt, dass „niemand es wagen“ werde, „unsere verfassungsmäßigen Rechte anzutasten“. In einem Leitartikel in der Jüdischen Rundschau vom 31. Januar wurde überdies die Erwartung ausgesprochen, „daß auch im deutschen Volk die Kräfte noch wach sind, die sich gegen eine barbarische antijüdische Politik wenden würden“. Es sollte nur wenige Wochen dauern, bis sich all diese Annahmen als trügerisch erwiesen.

Falsche Vorstellungen über die Natur des Machtwechsels machten sich nicht zuletzt die ausländischen Diplomaten. Der amerikanische Generalkonsul in Berlin, George S. Messersmith, meinte zwar, es sei schwierig, eine klare Vorhersage über die Zukunft der Hitler-Regierung zu machen, sprach aber die Vermutung aus, dass sie nur eine Übergangserscheinung hin zu stabileren politischen Verhältnissen darstelle. …….

Selten ist ein politisches Projekt so rasch als Chimäre enthüllt worden wie das Konzept der Konservativen zur „Zähmung“ der Nationalsozialisten. Was machttaktische Gerissenheit betraf, war Hitler seinen Mit- und Gegenspielern im Kabinett turmhoch überlegen. Binnen Kurzem hatte er sie an die Wand gespielt……

Nur fünf Monate brauchte Hitler, um seine Macht zu etablieren. Bis Sommer 1933 waren Grundrechte und Verfassung außer Kraft gesetzt, die Länder gleichgeschaltet, die Gewerkschaften zerschlagen, die Parteien verboten oder aufgelöst, Presse und Rundfunk auf Linie gebracht; die rechtliche Gleichstellung der Juden war beseitigt. „Alles, was in Deutschland außerhalb der nationalsozialistischen Partei existierte“, sei „zerstört, zerstreut, aufgelöst, angegliedert oder aufgesaugt“, zog François-Poncet Anfang Juli Bilanz. Hitler habe „die Partie mit geringem Aufwand gewonnen“: „Er musste nur pusten – das Gebäude der deutschen Politik stürzte zusammen wie ein Kartenhaus.“

FE: „DAS DARF NIE WIEDER GESCHEHEN!

NICHT IN DEN USA UND NICHT IN EUROPA!“

Siehe auch „Das leise Wimmern der Demokratie“

oder: Wer Trump verstehen will, muss Orwells „1984“ lesen

oder: Trump liebt nur sich selbst

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Wir freuen uns sehr über diese schöne Anerkennung unserer Teamarbeit!

Als ich im Mai über die Feier zur 10. Infotafel  berichtete, ahnte ich noch nicht, dass von der Favoritner Bezirksvorstehung bald darauf  ein für unsere Planungsgruppe *) überraschendes Angebot kommen würde.

Die Bezirksvorstehung wäre nämlich bereit, eine Broschüre mit der Auflage von 2 500 Stück im A5-Format über unser „Orte erzählen“- Projekt zu finanzieren. Wir stimmten erfreut zu und arbeiteten seither an deren inhaltlichen und graphischen Gestaltung. Hochprofessionell wurden wir dabei vom sympathischen Mag.Stefan Zwickl von „aktuell PR“ begleitet.

2016-05-03

………    Stefan Zwickl und Siegfried Schuller sind Hauptgestalter der Broschüre

Ende 2016 wurde die 16 Seiten starke Broschüre fertig: „10 Orte im 10.Bezirk – DAS PROJEKT ORTE ERZÄHLEN“

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……………………………..Die Außenseiten der Broschüre

Die Tatsache, dass diese Broschüre überhaupt finanziert wurde und auch die im Anschluss wiedergegebene Einleitung von Bezirksvorsteherin Hermine Mospointner sind eine unschätzbare Unterstützung für unsere weitere Arbeit am Projekt „Unser Triesterviertel – ORTE ERZÄHLEN“.

Ich persönlich betrachte diese erfreuliche Entwicklung auch als „Lohn“ unserer schon gut „eingespielten“ Zusammenarbeit im Planungsteam. Sie gelingt trotz oder gerade WEGEN des Fehlens jeglicher Hierarchie und der vielen unterschiedlichen Motivationen und Qualifikationen.

„Liebe Favoritnerinnen, liebe Favoritner!

Unser Bezirk wurde vor mehr als 140 Jahren gegründet und setzt sich aus mehreren unterschiedlichen Grätzeln zusammen, die allesamt ihre eigene Geschichte und Geschichten sowie Besonderheiten haben. Favoriten besteht aus dem Sonnwendviertel mit dem Hauptbahnhof und seinen vielen neuen Wohnbauten ebenso wie aus Ober- und Unterlaa mit ihren eher ländlichen Strukturen. Das zeichnet die Vielfalt in unserem Bezirk aus. Das Triesterviertel, das sich entlang der Triester Straße vom Matzleinsdorfer Platz bis zur Raxstraße befindet, hat durch seine zahlreichen ehemaligen Industrie- und Gewerbebetriebe, die im Laufe der Jahre großteils durch Wohnhäuser ersetzt wurden, einen ganz besonderen Charakter. Der Verein „triesterviertel.at“ sorgt nun schon bereits seit fast 25 Jahren für Belebung im Grätzl und schafft ein Identitätsbewusstsein der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Sichtbarstes Zeichen dieser tollen Initiative sind die Erinnerungstafeln des Projekts „Orte erzählen“. Dafür möchte ich den Vereinsverantwortlichen herzlich danken und ein ganz besonderer Dank geht auch die Gebietsbetreuung Stadterneuerung GB*10 und das Bezirksmuseum Favoriten, die das Projekt begleiten und unterstützen.

Ich lade alle Interessierten herzlich dazu ein, beim Verein „triesterviertel.at“ mitzumachen oder auch ihre eigene Grätzlinitiative zu starten. Diese Projekte fördern nicht nur die Verbundenheit mit dem Bezirk und dem Grätzl als persönlichen Wohn- und Lebensbereich, sondern sorgen auch für gute nachbarschaftliche Beziehungen.

Ihre Bezirksvorsteherin Hermine Mospointner“

*) Die „Orte erzählen“-Planungsgruppe trifft einander seit 2008 meist in der GB*10. Sie besteht aus BewohnerInnen des „Triesterviertels“ (Helga und Fritz Endl, Jürgen Greiner und Johanna Schamburek), dem Bezirksmuseum Favoriten (Eva Fischer und  Walter Sturm), der Gebietsbetreuung Stadterneuerung GB*10 (Siegfried Schuller) sowie dem Volkskundewissenschaftler und Ö1-Redakteur Wolfgang Slapansky.

8-10-2013

Johanna Schamburek, Helga Endl, Eva Fischer, Walter Sturm, Siegfried Schuller und Jürgen Greiner am 8.10.2013 in der GB*10

27-7-2009

Fritz Endl und Wolfgang Slapansky am 27.7.2009 beim ORF-Funkhaus.

(Näheres zur Chronik des Projektes)

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Wird es vielleicht sogar eine „Inklusionsschule“? Ich weiß leider gar nichts. Warum nur?

Seit März höre ich vom Gerücht, dass neben der  Volksschule Quellenstr.142  eine „Neue Mittelschule“ gebaut werden soll. Über den genauen Schulstandort und über weitere  Veränderungen  in Richtung des Evangelischen Friedhofs beim Matzleinsdorferplatz  im Zusammenhang mit der geplanten U-Bahn gibt es ebenfalls nur Gerüchte.

Mein besonderes Anliegen gilt aber  jenen Entwicklungen, die unsere Kinder ganz besonders betreffen und das sind jene im Kindergarten- und Schulbereich.

Aktuell erschreckt mich  z.B. der Anblick des Baggers vor der Volksschule Quellenstr.142, der den wichtigsten Spielbereich im Freien in eine Baugrube verwandelt.

………………schule-quellenstr-142

Aber vielleicht ist hier das Modell einer zeitgemäßen „Inklusionsschule“  geplant?  

Und das würde insofern sogar Sinn machen, weil  im zuletzt zur  Volksschule hinzugefügten Gebäudeteil in der Sonnleithnerg.32  viele Jahre ein entsprechend ausgebildetes Fachpersonal für Allgemeine Sonderschulen hervorragende Arbeit gemacht hat.

Leider wurde aber diese Hoffnung durch ein Antwortschreiben vom Büro des Amtsführenden Präsidenten des Stadtschulrates für Wien an eine besorgte Mutter nicht bekräftigt. Diese Mutter schrieb im März dieses Jahres:

„Ich bin Mutter von drei Kindern und in naher Zukunft sollen auch die zwei anderen Kinder in diese Schule gehen. Wir haben uns bewusst gegen eine Privatschule und für diese Schule entschieden.  

Wenn nun zu den bestehenden 23 Klassen (mit insgesamt knapp 500 Schülern) noch 8 Klassen (in etwa 200 Kinder) mit 10 bis 14 jährigen  Schülern hinzukommen sehen wir vor allem den Bewegungsraum unserer Kinder massiv eingeschränkt, gerade kleine Kinder brauchen viel Bewegung und Freiraum. …….

Ein Plus von 200 Schülern inkl. Verwaltung (sprich Lehrer und sonstiges Personal) bedeutet dass auf dem verbleibenden Freiraum 40% mehr Kinder ihre Freizeitphasen verbringen und der Verlust zusätzlicher Fläche, da man diesen neuen Lehrern doch wohl Parkplätze zur Verfügung stellen wird?! 

Ganz abgesehen von dem Verlust der Lebensqualität unserer Kinder, wie stellen Sie sich dieses Miteinander vor? 

Als Mitglied des Elternvereins und besorgte Mutter verbleibe ich mit freundlichen Grüßen und erhoffe mir eine Stellungnahme“

Die Antwort vom Büro des Wiener Stadtschulrates:

„Sehr geehrte ……………

Herzlichen Dank für Ihr Schreiben an Herrn Amtsführenden Präsidenten Mag. Jürgen Czernohorszky, der mich gebeten hat, Ihnen zu antworten.

Auf Grund der wachsenden Schülerzahlen im 10. Bezirk ist es dringend erforderlich, eine zusätzliche Neue Mittelschule zu errichten um in Zukunft allen SchülerInnen einen Schulplatz im Wohnbezirk anbieten zu können.

Nach Rücksprache mit den Planungsverantwortlichen darf ich Ihnen mitteilen, dass die Freiraumflächen für die Volksschule weitgehend erhalten bleiben. Eine Ausweitung der Parkplätze ist definitiv nicht geplant.

Was die gemeinsame Nutzung der Freiflächen betrifft, so kann ich Sie beruhigen, da alle SchülerInnen (Volksschule und Neue Mittelschule) während der gesamten Unterrichtszeit unter Aufsicht der Lehrer und Lehrerinnen stehen und alle Kollegen und Kolleginnen ein wertschätzendes, soziales Zusammenleben der Kinder am Standort gewährleisten. 

Mit freundlichen Grüßen

Mag.a Andrea Trattnig

Diese Antwort lässt keinen Schluss darüber zu, ob es an dieser geplanten Schule Ansätze eines inklusiven Konzeptes gibt, wie es z.B. im Beitrag von Karin Schwarz-Viechtbauer und Brigitte Rabl im „Schulheft 163: SchulRäume – Einblicke in die Wirkkraft neuer Lernwelten“ (Studienverlag 2016) beschrieben wird:

…………………………schulheft-163

„Zeitgemäße Anforderungen an Bildungseinrichtungen aus Sicht des Österreichischen Instituts für Schul- und Sportstättenbau“ (S.45) Vorbemerkung: „Schule und Schulbau stehen vor zahlreichen neuen Herausforderungen: Ganztägige Schulformen werden vermehrt nachgefragt und auch politisch vorangetrieben, reformpädagogische Konzepte und individualisiertes Lernen entwickelt sich von der Ausnahme zur Regel. Inklusion ist ein wichtiges Leitbild geworden. Aber auch der demografische Wandel stellt den Bildungsbau vor große Herausforderungen. In Ballungszentren sieht man sich kaum bewältigbaren Bauaufgaben konfrontiert…..

1 – Standortpolitik: Bildungseinrichtungen sind ein wichtiger Bestandteil der baulichen Infrastruktur und können neben ihrer Grundfunktion der Bildungsförderung verschiedenste NutzerInnengruppen ansprechen – beispielsweise das regionale Sportangebot erweitern, lebenslanges Lernen fördern, Treffpunkt der Generationen oder kulturelles Zentrum sein. In Fachkreisen werden Bildungseinrichtungen darüber hinaus mit der Gemeinde- und Regionalentwicklung in Zusammenhang gebracht. Man betrachtet sie nicht nur als Identität stiftendes Zentrum in Gemeinden, sondern schreibt ihnen auch Bedeutung zu als Kriterium für Betriebsansiedlungen, soziale Stabilität u.v.m.“ (Hervorhebungen: FE)

Ob solche „inklusiven“ Überlegungen in die Planung dieser „Neuen Mittelschule“ im „Triesterviertel“ eingeflossen sind?

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Wir müssen aber MEHR MITEINANDER REDEN, denn „durch´s Reden kommen d`Leut z´samm´“.

Hauptursache für die weltweit zunehmende Armut, für Hunger, Krankheiten, Krieg und Flucht ist, dass ein Prozent der Weltbevölkerung über mehr als ein Drittel des globalen Reichtums verfügt. Und nach Schätzungen entziehen sie davon etwa ein Drittel einer Besteuerung. (Ö1-Radiokolleg 30.6.2016)

Immer mehr seriöse Untersuchungen bestätigen die Tatsache, dass diese Entwicklung seit vielen Jahren vorbereitet worden ist! Es sollen  die Ursachen der Probleme möglichst gleich in der Nachbarschaft gesucht werden, nur nicht bei ihnen in ihren „goldenen Käfigen“! Dieses 1% und ihre Strategen sind bis jetzt „die lachenden Dritten“, wenn wir übrigen 99 % weiterhin so wenig miteinander reden oder sogar streiten!

Das betont auch Colin Crouch, Autor von „Postdemokratie“, in seinem neuen Buch „Die bezifferte Welt – Wie die Logik der Finanzmärkte das Wissen bedroht“ (Suhrkamp, 2015):

crouch-2015

„Wenn die Macht der Demokratie schwindet, verlieren die Wähler unter Umständen das Interesse an ihr. Zweifellos wird sie dadurch noch anfälliger für die Manipulation durch Mächtige, doch sind diese dann möglicherweise zugleich mit einem Mangel an Legitimation konfrontiert. Sie sind darauf angewiesen, daß die Bürger an den Wahlen teilnehmen – und können sie dazu motivieren versuchen, indem sie politische Debatten über eine Vielzahl an sich eher unbedeutenderer Probleme anzetteln. Diese Taktik hat überdies den Vorzug, die Bevölkerung regelmäßig von den wichtigeren Fragen abzulenken, wer die eigentlichen Profiteure eines solchen Systems sind.“ (S.219) (Hervorhebung FE)

Aber das darf von uns, der 99 %-Mehrheit, also auch von uns BewohnerInnen des „Triesterviertels“ insgesamt, nicht mehr länger als schicksalshaft hingenommen werden! Schon unseren Kindern und Enkerln zuliebe! Dazu passen mein erster WordPress-Text vom  10.6.2009: Großeltern aller Länder vereinigt euch! und jener vom 26.12.2009: Großeltern aller Parteien vereinigt euch!

Aus meiner Sicht ist ein sehr „bedeutendes Problem“ die geringe Teilhabe von BewohnerInnen am Geschehen im unmittelbaren Wohngebiet. Das hängt ziemlich sicher auch damit zusammen, dass es immer weniger Gelegenheiten zu mehr oder weniger „öffentlichen“ Gesprächen gibt. Beim Tratsch mit den Nachbarn im Haus, beim Greißler ums Eck, im Wirtshaus, im Park, beim gemeinsamen Besuch des Grätzl-Kinos oder des Fußballplatzes in der Nähe wurden viele Meinungen ausgetauscht und gebildet, wurde auch viel „politisiert“.

Es sollten daher zeitgemäße Gelegenheiten geschaffen werden, damit interessierte Menschen in der Nachbarschaft wieder über aktuelle Themen ins Gespräch kommen können. Viele möchten sich mit anderen über Grätzlangelegenheiten austauschen oder möchten sich informieren. Es fehlen aber zunehmend die Gelegenheiten dazu.

Solche „Grätzlgespräche“ möchte der Verein „triesterviertel.at“ wieder organisieren.

Wer unterstützt uns dabei?

quarinpassage-22-3-13

„Marktplatzgespräch“ am 22.3.2013 mit FPÖ -Klubobmann Stefan Berger und ÖVP -Klubobmann Thomas Kohl

Aus solchem „öffentlichen Tratsch“ kann dann auch wieder das Bedürfnis entstehen, sich an die gewählten BezirksvertreterInnen zu wenden. Es könnten sich dann auch Einzelpersonen darin bestärkt fühlen, sich mit einer Forderung oder einem Vorschlag an LokalpolitikerInnen zu wenden. Schön wäre es, wenn sich Personen auch an die gesamte Bezirksvertretung im Rahmen ihrer Vollversammlungen wenden könnten. Zum Erproben dieser Beteiligungsform würde sich – nach einer Anpassung der Wiener Stadtverfassung – die „Mündliche BürgerInnenbeteiligung“  anbieten, die in der Gemeinde Gablitz (NÖ) schon seit einigen Jahren erfolgreich praktiziert wird.

Am besten in Favoriten!

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