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Posts Tagged ‘Großeltern’

Ich durfte Rosa Jochmann 1982 in einer LehrerInnen-Runde kennen lernen, in der sie über ihr Leben und die Jahre im KZ erzählte. Mit mir saß ihr auch unser damals 13-jähriger Sohn Walter gegenüber. Im November erhielt er von ihr folgendes Schreiben, das den Beginn einer zehn Jahre dauernden Korrespondenz zwischen ihr und mir einleitete:

„Eigentlich, lieber Walter, habe ich die ganze Zeit, da ich dort bei den vielen Lehrern und Lehrerinnen gewesen bin, darüber nachgedacht, ob du tatsächlich aus freien Stücken zu dieser Veranstaltung gekommen bist oder aber ob dein Papa der Meinung war, dass du anstatt, dass du dich vielleicht spielst oder ein Buch liest, dass du mitgehen sollst. Dass ich mich über dich sehr gefreut habe und auch heute noch freue, das ist eine andere Sache. Das tat ich aber und zwar aus ganzem Herzen und da ich dich manches Mal ansah, wünschte ich mir, dass du, wenn das Jahr 2000 kommt, dann bist du schon ein erwachsener Mann und sehr wahrscheinlich ein Herr Doktor, dann wünsche ich mir, dass die Friedensglocken in der Silvesternacht läuten und dass alle Menschen zu essen haben, dass es keinen Krieg gibt, dass niemand dem anderen ein Leid antut, dass niemand vor Hunger stirbt, dass es also eine wunderbare, eine schöne Welt ist, das wünsche ich mir von ganzen Herzen. Und das, lieber Walter, wollte ich dir sagen, aber die Bedingung ist, dass du mir nicht zurückschreibst, sondern du kannst versichert sein, du stehst in meinem Büchl drin und du wirst wieder einmal etwas von mir hören.
Bis dahin aber grüße deine liebe Mama herzlich und auch deinen Papa und dich drücke ich an mein Herz, ich weiß, dass ich das bei Jungen nicht tun darf, aber ich tue das im Geiste und danke dir sehr herzlich dafür, dass du so aufmerksam und so still zugehört hast.
Es grüßt dich innigst deine Rosa Jochmann
genannt Rosa von allen Freunden.
Du bist nun auch mein Freund!“

(Veröffentlicht 1997 im Buch „Wer war Rosa Jochmann ?“) ………………………………………… (EPHELANT Verlag)

Im April 1992 schrieb ich ihr unter anderm: „Liebe Genossin Rosa! ….Ich bin nicht mehr im Schuldienst, da ich nach dem Tod unseres jüngeren Sohnes Gerhard 1985 zunehmend Probleme durch meine Aggressionen bekommen habe. Dafür bemühe ich mich seit Jahren um den Aufbau eines Stadtteilprojektes, den Grätzl-Punkt im Triesterviertel“, in dem ich eine neue Arbeitsmöglichkeit für mich zu finden hoffe…. Warum ich mich nun an dich wende? Nach hartnäckigem Bemühen auch um sozialdemokratische Unterstützung für ein, zwei Erprobungsjahre des „Grätzl-Punktes“ habe ich vorgestern die Absage durch die beiden bisherigen Befürworter im Rathaus…erhalten. Ich bin enttäuscht und zornig zugleich, weil ich bis zuletzt gehofft hatte, dass die GenossInnen im Rathaus auch eine Stadtteil-Initiative unterstützen würden, die nicht unter der üblichen Kontrolle einer bestimmten Partei oder der Kirche steht. Da ich aber nicht daran denke zu resignieren, habe ich eine große Bitte an dich, liebe Rosa. Wärest du damit einverstanden, wenn wir diesem ersten „Grätzl-Punkt“ deinen Namen geben, wenn wir ihn also „Grätzl-Punkt Rosa Jochmann“ nennen würden? ……“

Im Juni 1992 kam die erfreuliche Antwort: „…mein Einverständnis dafür, dass du dem „Grätzl-Punkt“ meinen Namen gibst, hast du….Innigen Dank für deinen lieben Brief, ich umarme euch alle in alter liebevoller Freundschaft und bin und bleibe eure Rosa, immer!“

Ich antwortete: „Liebe, sehr verehrte Genossin Rosa! Herzlichen Dank dafür, dass du mir trotz Krankheit geantwortet hast, ebensolchen Dank für die Herzlichkeit deines Schreibens und für das Einverständnis, unserem Sozialprojekt „Grätz-Punkt“ deinen Namen zu geben!
Nach der enttäuschenden Nicht-Unterstützung durch die GenossInnen im Rathaus hast du mir wieder eine Ahnung des ursprünglichen „Geistes“ eurer Aufbaugeneration vermittelt. Dein Schreiben bestärkt mich darin, trotz solcher Enttäuschungen weiterhin meinen Beitrag am Weg zur „sozialen Demokratie“ zu leisten, wie zum Beispiel durch Verwirklichung vom „Grätzl-Punkt Rosa Jochmann“.

Von 1996-1999 gab es in der Knöllg.29 den
Grätzl-Punkt Rosa Jochmann im Triesterviertel“, eine „Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, Nachbarschaftshilfe und BürgerInnen-Initiativen“

Der Verein „Grätzl-Punkt Rosa Jochmann“ wurde inzwischen umbenannt in „triesterviertel.at“, weil er als SPÖ-Initiative betrachtet worden ist.
Rosa Jochmann bleibt aber weiterhin meine wesentliche Orientierung in Richtung einer Welt,“ in der alle Menschen zu essen haben, dass es keinen Krieg gibt, dass niemand dem anderen ein Leid antut, dass niemand vor Hunger stirbt, dass es also eine wunderbare, eine schöne Welt ist.“
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Terra-Haus-12.10.10

Am 12.10.2010 fand das erste Treffen im Kinderspielraum des „Terrassenhauses“ statt.

Damals gab es eine sehr allgemeine „Modellbeschreibung“:

Ziele: Unterstützung vor allem von Familien mit Kleinkindern der Wohnanlage Buchengasse (Bauträger: Heimbau&Eisenhof) und des Kindergartens, aber auch deren Freund_innen und Nachbar_innen. – Fördern der nachbarschaftlichen Kontakte – Konkrete Aktivitäten/Initiativen setzen (z.B. „Wandern mit andern“) Informationen über die in der Nähe befindlichen Gesundheitseinrichtungen, Dienstleistungen, Spielplätze, Einkaufsmöglichkeiten u.a. weitergeben. – Das Projekt beruht auf der Hoffnung, dass besonders kleine Kinder noch keine Kontaktprobleme haben. Durch die Unterstützung des „Kindergartens Buchengasse“ werden auch Familien der angrenzenden Häuser in das Nachbarschaftsprojekt einbezogen, dessen Motto zugleich das Ziel ist: „Nachbarinnen schaffen Nachbarschaften schaffen Nachbarinnen“.

Dieser Text wurde aber erst durch jene Mütter „lebendig“, die nunmehr jeden Dienstagnachmittag zur „Kindergruppe im Terrassenhaus“ einladen.

Als „Spiele-Opa“ nehme ich seit einiger Zeit jeden zweiten Dienstag an den Treffen teil. Mir ist diese Familiengruppe inzwischen „ins Herz gewachsen“. (Seit August 2012 zeichne ich z.B. Fotos von den Geburtstagskindern, ebenso wie ich es bei unsere beiden Enkerln Miriam und Livia seit deren Geburt mache.)

Durch diese Gruppe im Terrassenhaus erlebe ich konkret die Möglichkeit, dass aus Liebe zu Kindern auch die Stadt ihre Anonymität verlieren kann.

Kinder+Fritz 6.12.11

…………………………….Mit Nora, Matteo und Moritz am 6.12.2011

Die Dienstagnachmittage sind für die Mütter der „Kerngruppe“ (derzeit ca sieben mit insgesamt zwölf Kindern) fest eingeplant. Sie finden je nach Witterung im Kinderspielraum oder auf einem der nahen Spielplätze statt und die regelmäßige Teilnahme wird nur selten unterbrochen.

Einstweiliger Höhepunkt dieser nachbarschaftlichen Vernetzung von jungen Familien mit Kleinkindern war das Treffen am 23.4.

Kindergruppe 23.4.13-1


Kindergruppe 23.4.13-3

Dabei wurde der zweite Geburtstag von Madeleine und Vinzent gemeinsam gefeiert. Moritz, der große Bruder von Vinzent, kam 2010 mit seiner Mutter als Einjähriger in die Gruppe und im Sommer wird sein vierter Geburtstag gefeiert werden.

………………………………Doppelgeburtstags-Feier am 23.4.2013

Einige Texte, die bisher aus meinen Erfahrungen mit der „Kindergruppe“ entstanden sind:

* Am 29.10.2010: „Gute Sozialpolitik fangt bei Babys an“

* Am 29.1.2011: „Für Kinder wie Eva, Matteo, Moritz und Nora“

* Am 29.9.2011: „Die Kindergruppe Terrassenhaus feiert ihren ersten Geburtstag“

Wir wurden (und sind) besonders beim Thema „Kinder und Hunde“ aktiv:

* „Kinder und Hunde sind nicht gleichwertig“

* „Hunde ohne Leinen machen Kindern und deren Eltern Angst“

Wir bemühen uns um gemeinsame Aktivitäten im „Triesterviertel“:

Wandern 15.6.12

* „Wandern mit andern“ an „Jedem Freitag um 9 Uhr zum Wienernberg“

* Wir setzten uns für eine Ampelanlage ein

24.1.12

………………………..Übergabe von 725 Unterschriften am 24.1.2012
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Es liegt an uns BewohnerInnen selbst, unser Wissen als LokalexpertInnen selbstbewusst einzusetzen und weiterzugeben. Wir können aktiver sein als uns oft eingeredet wird! Denn wir sind die Fachleute in unserem Grätzl, wir leben und/oder arbeiten hier!

Auch eine Zusammenarbeit von BewohnerInnen mit Bezirkseinrichtungen und BezirkspolitikerInnen sollte folgende Merkmale haben: *) gegenseitiger Respekt (Wertschätzung) *) auf „gleicher Augenhöhe“ *) völlige Transparenz. Und sie sollte „so weit wie möglich selbstbestimmt und eigenverantwortlich“ sein (zum Begriff „Subsidiarität“ aus Wikipedia, mehr siehe unten)

„Unser Triesterviertel – Orte erzählen“

Zu einem erfreulichen Beispiel für diese Art der respektvollen und wertschätzenden Zusammenarbeit zwischen BewohnerInnen und Bezirkseinrichtungen hat sich das Projekt „Unser Triesterviertel – Orte erzählen“ entwickelt.

……………………Planungstreffen am 29.4.2010 in der Gebietsbetreuung 10

Das Bezirksmuseum Favoriten und die „Gebietsbetreuung Stadterneuerung“ unterstützt seit bald vier Jahren eine kleine Gruppe von BewohnerInnen (Verein „triesterviertel.at“) durch fachliche Beratung und auch sehr praktisch z.B. bei der Layoutgestaltung der Info-Tafeln.

Diese 50×70 cm großen Glastafeln werden auf Kosten der jeweiligen Hauseigentümer an bemerkenswerten Gebäuden des Grätzls angebracht. Zwei Tafeln sind schon zu sehen (Neues Leben, Troststr.108 und ARWAG, Knöllg.37), eine dritte Tafel folgt demnächst (Heller-Wohnpark). Im Herbst kommen weitere vier Tafeln dazu. Auf der Webseite http://www.triesterviertel.at wurden und werden weitere Informationen (Fotos, Dokumente, Texte usw.) veröffentlicht.

Schon bei der Suche nach Informationen, Fotos und Plänen über die ehemalige Klavierfabrik „Lauberger & Gloss“, die Firma Bogner Edelstahl oder die Heller-Zuckerlfabrik waren die Kontakte mit ehemaligen MitarbeiterInnen sehr wertvoll.
Auch bei anderen Gelegenheiten wurden uns Fotos oder andere Erinnerungen aus früheren Jahren übergeben.

„Unsere Geschichte, unser Archiv“

Seit kurzem können Fotos, Pläne oder Dokumente im Online-Archiv „triesterviertel.topothek.at“ gesammelt, geordnet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dieses Online-Archiv ist eine ideale ergänzende Vertiefung unseres „Orte erzählen“- Projektes. Es wendet sich ganz gezielt an alle BewohnerInnen, den ExpertInnen für „Unser Triesterviertel“.

Aus der Topothek-Webseite:

„Das Motto der Topothek bedeutet, dass die Topothek das von den Bürgern selbst angelegte Online-Archiv ist. Was immer von geschichtlicher Bedeutung sein mag: hier soll es für die Nachwelt digital aufbewahrt werden. Scan oder Foto genügt. Das historische Dokument selbst und alle Rechte daran bleiben selbstverständlich beim Besitzer. Die Topothek stellt es lediglich zur Schau. Geschichte ist für alle da

Es wäre schön, wenn wir ab Herbst mit einem „Stammtisch zur Geschichte des Triesterviertels“ beginnen könnten, wo Fotos und Erinnerungen „betrachtet“ und besprochen werden.
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Subsidiarität (von lat. subsidium „Hilfe, Reserve“) bedeutet, dass „Aufgaben, Handlungen und Problemlösungen so weit wie möglich selbstbestimmt und eigenverantwortlich unternommen werden, also wenn möglich vom Einzelnen, vom Privaten, von der kleinsten Gruppe oder der untersten Ebene einer Organisationsform. Nur wenn dies nicht möglich ist oder mit erheblichen Hürden und Problemen verbunden ist, sollen sukzessive größere Gruppen, öffentliche Kollektive oder höhere Ebenen einer Organisationsform die Aufgaben und Handlungen subsidiär unterstützen und übernehmen.“ (aus Wikipedia)
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…allen Enkerln gegenüber!

In der kommenden „Adventzeit“ wird der Geburt eines Babys vor ca 2000 Jahren gedacht, von dem Christinnen und Christen glauben, dass es „Sohn Gottes“ ist. Wenn ich aber daran denke, wie viele Babys, Kinder und Erwachsene auch im Namen von Gottesvätern umgebracht worden sind (und weiterhin werden), dann habe ich besonders mit diesen „Vater-Religionen“ größere „Glaubens- und Denkschwierigkeiten“.

Keine Schwierigkeiten habe ich hingegen, an die Möglichkeit „paradiesischer Zustände“ schon auf Erden zu glauben, wenn ich Babys zusehe, wie sie Menschen ihrer Umgebung innerhalb kürzester Zeit zum „Strahlen“ bringen können. Sie vermitteln mir noch eine Ahnung von jenem Zustand, der oft als „Paradies“ bezeichnet wird. Dieses „Paradies“ ist etwas sehr „Körperliches“, die Geborgenheit im Bauch der Mutter. Und der „Göttliche Lebensfunke“ ist – wenn das Kind Glück hat – auch etwas sehr Irdisch-Lustvolles: Die Liebe zwischen zwei Menschen.

Für mich gibt es kaum etwas Berührenderes als Eltern oder Großeltern im liebevollen „Dialog“ mit Babys oder kleinen Kindern. Selber erlebe ich mich ja ebenfalls als „verliebter Bupa“ mit unseren beiden Enkerln Miriam (sechseinhalb Jahre) und Livia (bald fünf Jahre). Und dabei stelle ich mir oft vor, dass es ja auf der ganzen Welt viele Eltern und Großeltern gibt, die ihre Kinder bzw. Enkerln auch lieben und ihnen eine glückliche Zukunft wünschen. (Dazu auch meine Beiträge in diesem Blog am 10.6.2009: „Großeltern aller Länder vereinigt euch!“ und 29.3.2011: „Das mache ich für meine Enkelkinder“)

Uns Großeltern kommt neben der traditionelle „Rolle“, Eltern bei der Kinderbetreuung zu entlasten, zunehmend eine weitere Aufgabe zu:

Die Mitarbeit in zivilgesellschaftlichen oder anderen demokratischen Organisationen. Wir müssen uns für unsere Enkerln „einmischen“ bei der Gestaltung ihrer Zukunft. Sie braucht ja nicht „das Paradies“ zu sein, es reicht ja schon, wenn sie lebenswert bleibt.

Wer sonst ist so stark motiviert und hat so viel Zeit?
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Diesen Ausspruch hörte ich vor einigen Tagen in einem Bericht von einer Demonstration in Deutschland gegen Atomkraftwerke. Das erinnert mich an meinen ersten Text in diesem „Gedankenbuch“ vom 10.6.2009 unter dem etwas pathetisch klingenden Titel „Großeltern aller Länder vereinigt euch!“ unter einem Foto mit unseren beiden Enkerln Miriam und Livia.

In dieser Zeit bin ich zu einer „Sommerakademie“ nach Magdeburg (Deutschland,Sachsen-Anhalt) eingeladen worden, um über meine Bemühungen im „Triesterviertel“ zu berichten. Als Motto dieser Tagung stand ein Text aus der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung der WHO: „Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben“.

Ich schrieb in der Vorstellung zu meiner Person und meiner Motivation unter anderem:

„Seit meiner Frühpensionierung als Hauptschullehrer 1990 bemühe ich darum, in meinem Wohngrätzl „Triesterviertel“ im 10.Wiener Gemeindebezirk durch vertrauensbildende Vernetzungsarbeit das zivilgesellschaftliche Potenzial zu stärken. Besonders motiviert bin ich, seit ich als Großvater unsere beiden Enkerln Miriam (Jg.2005) und Livia (Jg.2007) „begleiten“ darf. Sie werden mich vielleicht einmal fragen: „Was hast du dazu beigetragen, dass wir gesund leben können?“

Nach dem Unfalltod unseres jüngeren Sohnes Gerhard im Jahr 1985 (Er wäre heute, am 29.3.2011, vierzig Jahre alt geworden) habe ich in der Selbsthilfegruppe „Trauernde Eltern“ erfahren, wie hilfreich es ist, mit Menschen zusammen zu kommen, die ein ähnliches Schicksal teilen. Ich bemühte ich mich aber vergeblich um wirksame Unterstützung der Stadtverwaltung beim Aufbau einer Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen in Wien-Favoriten. 2005 wurde die Plattform „MACH MIT! im Triesterviertel“ gegründet, um über „Selbsthilfegruppen“ hinaus auch die Entwicklung von Nachbarschaftshilfe und BürgerInnen-Initiativen zu fördern. Seit 2007 wird die Plattform durch das „Dorfwiki“-Webforum www.triesterviertel.at präsentiert. Trotz mancher Aktivitäten und der Unterstützung durch Medien fehlt noch immer eine breitere Unterstützung jener hier lebender Menschen, die nicht in politischen Parteien und Kirchen engagiert sind. Diese Einrichtungen neigen meiner Erfahrung nach leider zur Abschottung und „Freund-Feind“-Denken und sind zivilgesellschaftlich offenen und transparenten Initiativen gegenüber eher misstrauisch bis ablehnend.

Derzeit kehre ich zunehmend zu meinen positiven Erfahrungen in der Selbsthilfegruppe zurück: Denn Tatsache ist, dass ich mir zwar Sorgen mache um die Zukunft unserer beiden Enkerln! Aber zumindest bei uns Großeltern sollte doch den eigenen Enkerln zuliebe auch die Bereitschaft zum Engagement im Sinne einer zukunftsfähigen Entwicklung unseres Planeten vorhanden sein. Eine globale „Großeltern-Selbsthilfegruppe“ ist gefragt oder etwas „historischer“: „Großeltern aller Länder vereinigt euch“…..und dazu aus aktuellem Anlass….“besonders im Einsatz für erneuerbare Energiequellen“
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Ein ca dreijähriges Mädchen schob neben der Mutter ihren Puppen-Buggy, als ich ihnen eines Morgens auf dem Fahrrad begegnete. Die junge Frau schob ihrerseits einen Kinderwagen und hatte es offenbar schon sehr eilig. Vielleicht war ihr Zeitplan in Gefahr, weil das Mädchen langsamer als sie gehofft hatte mit ihrem Buggy vorwärts kam. Die Mutter redete auf das Kind ein und rief schließlich mit deutlicher Verzweifelung in der Stimme: „Ja, so geh doch!“

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Blick des kleinen Mädchens zu ihrer Mutter. Darin lag für mich viel von dem, was ich auch bei unseren beiden Enkerln (Miriam fünf Jahre und Livia zweieinhalb) beobachten kann: Ihr Erstaunen über den Zeitdruck der Eltern und zugleich die Angst um deren Zuneigung, falls sie das höhere Tempo nicht schaffen wollen oder können.

Aus Erlebnissen wie dem anfangs geschilderten und den eigenen Erfahrungen bin ich davon überzeugt, dass Großeltern mehr denn je eine ganz wichtige Aufgabe bei der „Begleitung“ von Kindern haben. Sie können sich – da nicht mehr eingespannt in die „Zeitmaschine“ von berufstätigen Erwachsenen – ganz auf die „entschleunigte Zeit“ von Kindern einlassen! (Und wenn keine „eigenen“ Großeltern zur Hand sind, dann sollten – zusätzlich zu professionellen Einrichtungen – entsprechende Leih-Oma/Opa-Initiativen in der Umgebung für einen geeigneten Ersatz sorgen, zum Vorteil aller Beteiligten!)

In dem Zeitraum, in dem meine Frau oder ich mit unseren Enkerln beisammen sind, hat die Uhr ihre sonst übliche Bedeutung weitgehend verloren. Wir tauchen sozusagen ein in deren eigene Paradieswelt der Phantasie und Abenteuer, in der es unter anderem auch keinen üblichen Zeitbegriff gibt.

Und als ehemalige LehrerIn fürchten wir uns schon davor, wenn Miriam und Livia – derzeit noch etwas geschont im Kindergarten – spätestens in der Volksschule völlig in die zutiefst kinderfeindliche „Zeitmaschine“ Schule geraten, um auf „das Leben“ vorbereitet zu werden. Welches Leben?
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Die Aufforderung „Global denken – lokal handeln“ ist für meine Frau und mich mehr denn je von zentraler Bedeutung. Beim Nachdenken über die Zukunft unserer beiden Enkelmädchen stelle ich mir oft Omas und Opas in den verschiedensten Orten auf unserer Erdkugel vor, die sich ähnlich wie wir Gedanken und zunehmend Sorgen machen.

Die Medien präsentieren uns wie immer in erster Linie „bad news“ (aus ihrem Verständnis sind das ja „good news“): Kriege, Katastrophen, Unfälle, Tote und zuletzt gescheiterte Klimakonferenzen, Streit unter und zwischen den Parteien.

Gemeinsam mit den Werbeeinschaltungen verzerrt diese „veröffentlichte Meinung“ den erlebten Alltag stark ins Negative. Misstrauen, Resignation und Vereinzelung sind nur drei der entsprechenden Reaktionen auf uns konsumierende Menschen. Das Gegeneinander wird fast als „normal“ betrachtet, das Gemeinsame tritt in den Hintergrund, „Solidarität“ wird zum „Fremdwort“.

Dabei gibt es zumindest zwei Argumente, die eigentlich für eine stärkere Betonung von Solidarität sprechen:

1. Erkenntnisse der Wissenschaft, dass der Mensch auf die Gemeinschaft angewiesen ist, dass sowohl in unseren Genen als auch im Gehirn noch mehr als vermutet die Voraussetzungen für das Gemeinsame und Positive vorhanden sind und 2. WIR HABEN NUR DIESE EINE GEMEINSAME ERDE!!! Daher muss das Trennende in den Hintergrund treten, um sie gemeinsam für die kommenden Generationen zu bewahren!

Für 2010 habe ich mir deshalb vorgenommen, mich im „lokalen Handeln“ noch stärker als bisher an diesem Ziel zu orientieren. Der Begriff „lokal“ bedeutet für mich mein Verhalten als Konsument und – im Bild von „konzentrischen Kreisen“- als Bewohner eines Zinshauses (Zur Spinnerin 2), eines Grätzls („Triesterviertel“), eines Wiener Bezirks (Favoriten), sowie als Wiener, Österreicher und Europäer.

Diesen Vorsatz für das kommende Jahr konkretisiere ich an einem Beispiel, das derzeit in den meisten Medien für Schlagzeilen sorgt: Der Zusammenschluss des Kärntner BZÖ (nun FPK) mit der Bundes-FPÖ. Viele Menschen erwarten für die kommenden Monate vor der Wiener Gemeinderatswahl am 10.10. wieder eine entsprechend „schmutzige“ Auseinandersetzung vor allem zwischen der Häupl-SPÖ und der Strache-FPÖ. Im Kontrast dazu werde ich mich jedoch im Rahmen der Plattform „MACH MIT! im Triesterviertel“ weiterhin um eine möglichst positive und konstruktive Zusammenarbeit mit Favoritner FPÖ-PolitikerInnen bemühen. Gerade mit Angehörigen jener Partei, deren Programm und mediale Präsentation von meinen persönlichen Werten mir am weitesten entfernt scheinen, stelle ich immer wieder überraschende Gemeinsamkeiten bei persönlichen Gesprächen und konkreten Vorhaben fest.

Und auch bei der Favoritner FPÖ gibt es schließlich Opas und Omas, die sich Gedanken über die Zukunft ihrer schon vorhandenen oder noch kommenden Enkerln machen und damit auch über die Zukunft unserer einzigen Erde! Ich glaube daran, dass diese Gemeinsamkeit eine gute Basis für konstruktive Gespräche „auf gleicher Augenhöhe“ sein kann.
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Vorige Woche verbrachten meine Frau und ich mit unseren beiden Enkerln Miriam und Livia bei der Familie Schützenhofer,  einem Bio-Bauernhof in der Steiermark (bei Hartberg).  Soviel Zeit mit beiden Mädchen haben wir bisher noch nicht erlebt.  Es war wunderschön für uns Großeltern,  wie rasch sie den dreijährigen Felix,  dessen Eltern und Großeltern „in ihr Herz geschlossen“ und  wie sich für die unterschiedlichen Tiere und die umgebende Landschaft  interessiert haben.

So intensiv  im „Hier und Jetzt“ wie mit den Enkerln erleben wir „Großen“ uns sonst kaum. Auch den Großeltern von Felix ergeht es ebenso.  Wenn der  „Wald-Opa“ mit Felix den Wald erkundet, dann zählt nur der Augenblick.

Wir Großeltern haben meist mehr Zeit als die Eltern zur Verfügung, können uns leichter in die „Hier und Jetzt“-Welt der Kinder einfühlen.

Andererseits zeigten uns auch die beiden Generationen Schützenhöfer, dass es mit entsprechender Begeisterung und Kompetenz für eine Bio-Bauern-Familie möglich ist, auch wirtschaftlich optimistisch in die Zukunft zu blicken. Mit 40- 50 Kühen produzieren sie in erster Linie Milch für die eigene erfolgreiche  Käseerzeugung.  Der verbleibende Milchanteil muss deshalb nach Kärnten zur Molkerei „Kärntnermilch“ geführt werden, weil es in der Steiermarkt (noch?) keine preisgünstige Absatzmöglichkeit von gentechnikfreier Bio-Milch gibt.

Die Großeltern und Eltern von Felix  haben meine Frau und mich sehr beeindruckt,  sowohl  mit ihrer Begeisterung für den Gesamtbetrieb,  zu dem auch Weideland und Wald gehört,  als auch durch die klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten und der stufenweisen „Hofübergabe“.
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Nach meiner gestrigen Eintragung („Dann sind wir  schon 70!“) ist mir eingefallen, dass ich vor zwei Jahren dem damaligen US-Präsidenten George W.Bush zum selben Thema (Verantwortung der Großelterngeneration) eine eMail ( „Ersuchen eines Opas“) geschickt habe. Diese eMail ist in der „Kronen Zeitung“ am 5.6. 2007 als „Brief an den Herausgeber“ veröffentlicht worden. Daraus leite ich die Hoffnung ab, dass Herr Dichand (und damit seine Redaktion) ebenfalls am Thema „Nachhaltigkeit“  und „Zukunftsfähige Weltordnung“ interessiert ist.

Ersuchen eines Opas

An Präsident George W.Bush

Ich bin Wiener und seit zwei Jahren Großvater eines Mädchens mit dem Namen Miriam. Meine Frau Helga und ich freuen uns schon auf unser zweites Enkelkind Livia. Sie wird – so hoffen wir – in den nächsten Tagen beginnen, die Luft dieser Erde zu atmen. Wir genießen jede Stunde, die wir seit ihrer Geburt mit Miriam verbringen dürfen. Ihr Vertrauen auf die Fürsorge von uns „Großen“ freut uns zwar und gibt unserem Leben Sinn.

Andererseits erfüllt es uns aber mit Sorge, wenn wir auch an die Zukunft unseres Planeten Erde und damit die weltweite Enkerlgeneration denken.

Deshalb ersuche ich: Orientieren Sie bitte Ihre Bemühungen als Präsident der USA vor allen anderen Interessen an einer möglichst  friedlichen und gesunden Zukunft Ihrer, meiner, aller Enkelkinder!“
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Im Juli gibt es in unserer Familie zwei Geburtstage kurz hintereinander. Am vergangenen Wochenende war daher ein leider viel zu seltenes Treffen mit der vollständigen „Jungfamilie“, unserem Sohn Walter, seiner Frau Karin und den beiden Mädchen Miriam und Livia.  Bei einem Gespräch mit Walter und Karin über unsere unterschiedlichen Kontakte mit den beiden Kindern versuchte ich sie zu vertrösten: „Wenn auch ihr Großeltern sein werdet, dann könnt ihr eure Enkerln ebenfalls so genießen wie wir es  jetzt tun. Dann  habt ihr auch so viel freie Zeit.“ Die Antwort von Walter kam rasch: „Aber dann sind wir vermutlich schon 70!“  Beim Nachrechnen musste ich ihm zustimmen. Er wird bald 40 und wenn sich bei Miriam oder Livia auch erst in deren 30-er Jahren Nachwuchs einstellen sollte, dann ist er schon in seinen 70-er Jahren.

Seit diesem Gespräch ist mir wieder bewusst geworden, wie rasch sich die Lebenssituation der einzelnen Generationen selbst und damit auch deren Beziehung zueinander verändern können.

Die derzeitige Großelterngeneration muss ihre Verantwortung für die Zukunft der nachfolgenden Generationen immer mehr übernehmen und sowohl global als auch lokal entsprechend handeln: „Großeltern aller Länder vereinigt euch!“

In gefestigten  Demokratien wie Österreich gibt es genügend Möglichkeiten dazu! Hier können generationsübergreifende Modelle  durchgeführt werden. Gemeinsam mit vorausschauenden PolitikerInnen, die es in allen Parteien gibt.
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