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Posts Tagged ‘Musische Arbeitsgemeinschaft’

….aber ihr Lebenswerk darf nicht vergessen werden!

Unter jenen Räumen, in denen Berta Klement als Eigentümerin des Hauses Bucheng.170 wohnte, war auch das „Atelier“ ihrer „Musischen Arbeitsgemeinschaft„. Durch eine glückliche Fügung erfuhr ich vor einiger Zeit, dass es jederzeit möglich wäre, dass der aktuelle Eigentümer den Inhalt all dieser Räume durch eine Firma „entrümpeln“ lässt, um sie für neue Verwendungen anbieten zu können.

Daher ersuchte ich Altbundespräsident Dr.Heinz Fischer um Unterstützung, um wenigstens für einige Tage die Möglichkeit zu erhalten, einige der ansonsten unwiederbringlichen Kunstgegenstände und Dokumente aus dem Leben der Zeitzeugin, Bildhauerin sowie Kunst- und Musiktherapeutin Berta Klement zu sichern.

Die rasche und erfreuliche Antwort der Assistentin von Dr.Heinz Fischer kam am 1.7.2022:

Philipp Harnik, MA, AKC

Executive Assistant to Dr. Heinz Fischer and Organizational Associate

Ban Ki-moon Centre for Global Citizens

Sehr geehrter Herr Endl,  

Vielen Dank für Ihre Nachricht und all die hilfreiche Information.

Ich darf Ihnen im Namen von Herrn Dr. Fischer folgende Nachricht übermitteln: 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Hinblick auf die bevorstehende „Entrümpelung“ des ehemaligen Ateliers von Frau Berta Klement in der Buchengasse 170 darf ich an Sie appellieren, Herrn Endl die Chance einzuräumen, die sich noch im Atelier befindenden Kunstgegenstände zu sichern. Sollte sich etwa die Möglichkeit finden lassen Herrn Endl den Generalschlüssel für ein paar Tage zu übergeben, so könnten laut Herrn Endl zahlreiche Plastiken, Kunstwerke und Dokumente von Wert vor dem Abtransport zur Mülldeponie gerettet werden.

Ich hoffe auf eine zufriedenstellende Lösung und bleibe mit besten Grüßen,

Ihr

Heinz Fischer

Aus „Monat“ – Sozialpolitische Rundschau des ÖAR 10.12.2010 (aktualisiert von F.E.)

Ein Leben für die Würde des Menschen

Prof. Mag. Berta Klement und ihr seit Jahrzehnten bestehendes Studio („Musische Arbeitsgemeinschaft“) in Favoriten waren eine Insel gelebter Humanität mit einem ganzheitlichen Verständnis vom Menschen, wie es anderswo leider kaum mehr zu finden ist.

Wer also ist Berta Klement?

Geboren am 18.3.1923 in Wien wuchs sie in Favoriten auf, bereits in ihrer Kindheit dürfte ihr die Liebe zum Menschen vom Großvater vermittelt worden sein. Dieser, Karl Weber, baute ein Fuhrwerkunternehmen von beachtlicher Größe auf dem Areal zwischen Buchengasse/Zur Spinnerin/Rotenhofgasse/Gußriegelstrasse auf. Er ließ im Bereich zwischen Quellenstraße und Rotenhofgasse die sogenannten „Weberhäuser“ für die Familien seiner Kutscher errichten. Das „Gasthaus im Weberdorf“ Ecke Quellenstraße/ Knöllgasse hatte damals eine wichtige Funktion als Ort der Kommunikation, an den für Klement heute noch wunderbare, detailreiche und schöne Kindheitserinnerungen geknüpft sind.

Die Wurzeln zu ihrem Entschluss, mit Menschen arbeiten zu wollen, scheinen damals gelegt worden zu sein. Nach dem Abschluss der Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste als Kunstpädagogin unterrichtete sie einige Jahre an Wiener Mittelschulen und schloss zusätzlich die Ausbildungen zur Kindergärtnerin, Horterzieherin und Musiktherapeutin ab.

Schon in den ersten Nachkriegsjahren bediente sich Klement verschiedener Medien, zum Beispiel des Spiels mit Handpuppen und Mag. art. Harald Fritz-Ipsmiller, Obmann des Österreichischen Dachverbandes für Kunsttherapien, sagte in einem Vortrag 2007 in der Johannes KEPLER Universität: „Berta KLEMENT, Absolventin der Akademie für Angewandte Kunst und der Musik-Akademie arbeitete bereits in den Weltkriegsjahren multimedial und baute in den späten 70er Jahren in Wien einen Ort auf, in welchem sie mit Obdachlosen arbeitete.“

Neben der musikalisch – bildnerischen Praxis und deren therapeutisch wirksamen Arbeit mit den Menschen in ihrem Studio war Klement auch stets bemüht, die theoretischen Grundlagen zu formulieren und zu vermitteln. Das erste kunsttherapeutische Symposium 1991 „Kunst und Therapie“ an der VHS Stöbergasse nach einer Idee von Berta Klement gilt als der Ursprung des Österreichischen Kollegs für Kunsttherapie an der VHS Stöbergasse. Hier wurde ein Ort der Auseinandersetzung zwischen Kunst und Therapie geschaffen. Allen Beteiligten war die Professionalisierung kunsttherapeutischen Arbeitens und die Differenzierung therapeutischer und künstlerischer Prozesse ein Anliegen.

„Bis ins hohe Alter umtriebig und aktiv fertigte Berta Klement beispielsweise auch viele Jahre kleine Geschenke für den jährlichen Weihnachtsempfang des Bundespräsidenten für Menschen mit Behinderungen.“

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