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 „Die Revolution hat ein weibliches Gesicht – Der Fall Belarus“ schrieb die Philosophin Olga Shparaga 2020 in ihrem gleichnamigen Buch.

Während aktuell (26.2.) russische Soldaten dabei sind, auf Befehl Wladimir Putins auch Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, im Häuserkampf zu erobern, hörte ich mir auf Ö1 ein Gespräch von Renata Schmidtkunz mit der 1974 in Weißrußland (Belarus) geborenen Philosophin und Revolutionärin Olga Shparaga an, das sie erst vor einem Monat mit ihr geführt hatte. Da war sie noch optimistisch und glaubte nicht, dass „es wieder zurückgeht“: „Die Frauen sind erwacht, sie haben sich entdeckt.“

Leider kam es anders. Putin zerstört diese Hoffnung brutal. Warum gerade ein kleiner Mann wie Putin? Darauf hat (P.M.Lingens am 26.2. auf seiner Webseite) die ukrainische Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk eine Antwort: „Er ist ein gewalttätiger Mann. Einer, wie sie zwanzig Jahre ihre Frau prügeln. Einer, der mit seiner Aggression nicht zu Rande kommt.“ Man muss das leider verallgemeinern: Krieg ist Männersache – untrennbar verbunden mit dem Patriarchat. Alle Kriege wurden von Männern losgetreten; nur Männer waren so blöd, jubelnd in den 1. Weltkrieg zu ziehen – auch wenn Frauen sie dafür bewunderten; Hitlerjungen waren stolz, schon Männer zu sein, als Adolf Hitler sie in den „Volksturm“ berief.

Aus dem Text von Ö1: In ihrem Buch „erzählt Olga Shparaga vom Mut der weißrussischen Frauen und der täglichen Anwendbarkeit von Philosophie im Kampf um Freiheit und Gleichberechtigung.“

Zur Person: Als im Juni 2020 in Weißrußland die Proteste gegen Staatspräsidenten Lukaschenko begannen, war Olga Shparaga eine der Frauen, die diese Proteste mitgeplant, mitgedacht, mitgeführt haben. Geboren wurde sie 1974 in Minsk, von Beruf ist sie Philosophin. Nach dem Wahlsieg Lukaschenkos, von dem viele sagen, er sei manipuliert worden, wurden im ganzen Land Oppositionelle verhaftet und eingesperrt. In den Gefängnissen seien die Frauen, die während des Protestes gegen das patriarchale System Lukaschenkos „erwachten“, zu Schwestern geworden, sagt Olga Shparaga, die auch selbst inhaftiert wurde.

Im November 2020 verließ sie angesichts eines bevorstehenden Strafprozesses das Land und lebt seither in Berlin. Dort entstand das Buch „Die Revolution hat ein weibliches Gesicht. Der Fall Belarus“.

ARBEITSVORHABEN ihres Forschungsprojektes:

Emanzipation, Sorge, Revolution: Der Fall Belarus

Im dritten Kapitel meines Buches „Die Revolution hat ein weibliches Gesicht: Der Fall Belarus“ (Suhrkamp 2021) habe ich versucht, mithilfe der Begriffe „gesellschaftliche Emanzipation“ und „Sorge“ die revolutionären Ereignisse in Belarus 2020 konzeptionell zu erfassen.

Dieser Versuch rührt daher, dass erstens eben die gesamte belarussische Gesellschaft (und nicht nur die Opposition) zur Triebkraft der Revolution geworden ist, zweitens diese Gesellschaft dabei als höchst heterogen in Erscheinung getreten ist und drittens nach Auffassung der Beteiligten das wichtigste Ergebnis der Revolution eine grundlegende Transformation dieser Gesellschaft war. Fragen der kulturellen Identität spielten kaum eine Rolle. Stattdessen wurden verschiedene neue soziale Allianzen gebildet und horizontale Formen der Kooperation und der gegenseitigen Unterstützung praktiziert. Ebendiese sind zum tragenden Gerüst der Solidarisierung innerhalb verschiedener sozialer Gruppen und über deren Grenzen hinweg geworden.


In diesem Zusammenhang schrieben die AktivistInnen in Belarus schon im September 2020 darüber, dass die Sorge für sich selbst und für andere zum zentralen Ansatz und zum Programm der Revolution in Belarus geworden ist. Dabei wurde auch der Begriff des Sorgestreiks verwendet. Die Beziehungen gegenseitiger Sorge, so könnte man mit Judith Butler interpretieren, wurden zu einer neuen sozial-politischen Infrastruktur, welche die Grundlage für demokratische Solidarität und Kooperation bildet und autoritäre Unterdrückung und Gewalt infrage stellt.

Bedeutet das, dass dadurch die gesellschaftliche Emanzipation eine neue Form annimmt und zur weiteren politischen Subjektivierung der belarussischen Gesellschaft und somit zur Fortsetzung der Revolution beiträgt? Die Darstellung und Analyse einer neuen Konstellation der Emanzipation, der Sorge, der politischen Subjektivierung und der Revolution in Belarus ist das Hauptanliegen meines Forschungsprojektes.

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Diese Erzählung von den drei mächtigen Königen, die ganz demütig zu einem Baby gekommen sind, um es als Gotteskind anzubeten, würde mir VIEL besser gefallen, wenn das Baby ein Mädchen gewesen wäre, eine Gottestochter!

Für mich stellen solche „Geschichten“ eine grobe Benachteiligung aller Frauen dar und empören meinen Sinn für Gerechtigkeit. Obwohl oder gerade WEIL ich ein Mann bin, der sich eine partnerschaftliche Gesellschaft wünscht.

Ich hoffe daher, dass durch ein Wiederentdecken der weiblichen Kräfte die viele Jahrhunderte alten zerstörerischen Männerstrukturen möglichst rasch zurückgedrängt werden können. Frauen sind meine größte und einzige Hoffnung, eine globale Selbstzerstörung doch noch zu verhindern.

Zu Beginn des neuen Jahres „entdeckte“ ich zu meiner Freude eine Frauenforscherin, der ich zutraue, gemeinsam mit anderen Frauen manche „Männernetzwerke“ gründlich durchzuschütteln:

Claudia von Werlhof war von 1988 bis 2009 ordentliche Universitätsprofessorin am Institut für Politikwissenschaft der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Innsbruck und leitete dort den ersten „Frauenforschungslehrstuhl“ in Österreich.

Sie beschreibt ihre Bestrebungen im Beitrag „Einige Worte zu meiner Arbeit“ Und ihre Schlussbemerkung: „Vorhang auf!“ lässt mich noch auf manche Aktivitäten hoffen.

Mein Beitrag im „Triesterviertel“ dazu kann nur ein lokaler sein, aber selbst das klügste „globale Denken“ benötigt schließlich auch „lokales Handeln“!
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