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Meine Erinnerungen an die im 98.Lebensjahr verstorbene Berta Klement, Bildhauerin, Kunsttherapeutin und Erbin zweier Häuser: Quellenstr.154 und auch Bucheng.170, dem ältesten „Weberhaus“ im „Triesterviertel“, in dem sie bis zu ihrem Tod am 7.8. 2020 lebte und die „Musische Arbeitsgemeinschaft“ leitete.

Berta Klement: „Vertriebene“ (Foto: B.Klement, ca 1950)

Dazu siehe auch: „Das Fuhrwerksunternehmen Weber

Berta Klement erzählte mir viele Geschichten über ihr Leben im „Weberdorf“ mit ihren Großeltern, Maria und Karl Weber, die das Fuhrwerksunternehmen ausgebaut hatten.

Maria und Karl Weber zum 50.Hochzeitstag. (ca 1928) Rechts Berta (Foto: H.Traxler)

Gesucht wird ein Lokal, das auch Selbsthilfegruppen, Nachbarschafts- und Bürger_inneninitiativen möglichst unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden könnte.

Zur Projektidee von „Wir sind bunt – na und?“

Rechtsträger wäre unser privater Verein „triesterviertel.at“ (ZVR-Zahl: 1 71672797.)

Im „Triesterviertel“ konnte unser Verein (früher „Grätzl-Punkt Rosa Jochmann“) von 1996 bis 1999 das „Grätzl-Punkt“- Lokal in der Knöllg.29 mieten.

Am Foto Mischa Auer

Die Bemühungen um Aktivitäten in der Nachbarschaft waren in diesen vier Jahren am sichtbarsten und daher am erfolgreichsten. Die Stadt Wien unterstützte uns mit einer „Starthilfe“ von 25 000 ÖS. Miete und Bürobetrieb konnten durch Spenden und Eigenmittel weiter finanziert werden. Die damalige Gebietsbetreuung und die Außenstelle des Wiener Integrationsfonds (heute MA17) unterstützten uns fachlich.

Leider unterstützt uns inzwischen von der Stadtverwaltung und vom Bezirk (außer dem Bezirksmuseum) niemand mehr (Dazu Näheres) und auch fachliche Hilfe aus der Wissenschaft ist derzeit (außer vom Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte) kaum in Sicht. Auch wird unser „Buntes Triesterviertel“ von Politik und Medien durch die kommende Gemeinderatswahl zunehmend als problematisch und weniger als Chance gesehen.

Wir möchten daher mit dem Projekt „WIR SIND BUNT – NA UND? unser „Triesterviertel“ und die vielen bisher „unsichtbaren“ Bewohner_innen, deren vielfältiges Potential und ihre Ideen positiv präsentieren.

Dazu benötigen wir vor allem einen neutralen Raum für Treffen ohne Konsumationsdruck.

Dieser Raum könnte auch zum Treffpunkt für Selbsthilfegruppen, Nachbarschaftshilfe und Bürger_inneninitiativen werden. Bei Bedarf könnten auch Expert_innen zur Beratung gebeten werden.  (Dazu auch)

Weitere Schritte, wenn eine Finanzierung für ein Jahr möglich ist:

  1. Anfragen bezüglich des kostenlosen Benützens vom „Grätzl-Punkt“-Raum würden an unseren Verein „triesterviertel.at“ erfolgen.
  2. Ein noch geplanter „Beirat“ entscheidet über die Genehmigung.
  3. Die Schlüsselübergaben würden persönlich erfolgen.
  4. Die beiden wichtigsten Vereinbarungen wären Zimmerlautstärke und den Raum so zu verlassen, wie er zu Beginn des Treffens war.

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Dazu passende „Gedanken“-Texte:

https://fritzendl.wordpress.com/2020/06/29/unser-triesterviertel-als-gratzl-begegnungszone/ Wir brauchen einen neuen Grätzl-Punkt!

https://fritzendl.wordpress.com/2020/05/01/tag-der-arbeit-bewohnerinnen-des-triesterviertels/ Es gibt auch noch unser „Triesterviertel“

https://fritzendl.wordpress.com/2020/02/23/an-bgm-ludwig-denken-sie-bitte-auch-an-unser-triesterviertel/ An Bgm.Ludwig: „Denken Sie bitte auch an unser Triesterviertel!“

Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

…und deshalb die Unterstützung durch Fachleute

Von 1996-1999 gab es in der Knöllg.29 bereits ein kleines Lokal in einem ehemaligen Papiergeschäft. Aus finanziellen Gründen musste unser Verein „triesterviertel.at“ (früher: „Grätzl-Punkt Rosa Jochmann“) dieses Lokal wieder schließen.

Der „Grätzl-Punkt Rosa Jochmann“ und Mitarbeiter Mischa Auer

Seither fehlt uns im „Triesterviertel“ ein neuer – möglichst selbstverwalteter- „Ort der Begegnung“.

Derzeit besteht die große Chance, in der Knöllgasse 2 (Ecke Quellenstraße) wieder einen Raum zu mieten. Zur Finanzierung fehlt uns aber die wissenschaftliche Beratung für die Vorlage eines guten Gesamtkonzeptes.

Besonders in einem „Brennpunktgrätzl“ wie dem „Triesterviertel“ wäre ein mit anerkannten Fachexperten/-expertinnen erarbeitetes Konzept eine unerlässliche Voraussetzung. Auch in Hinblick auf die coronabedingte allgemeine Verunsicherung, den vermutlich zunehmenden sozialen Spannungen und der kommenden Wiener Gemeinderatswahl.

Deshalb haben wir uns am 26.2.2020 an der Ecke Knöllg.2/Quellenstraße mit Unterstützung der „Kronenzeitung“ öffentlich an Bürgermeister Michael Ludwig gewandt:

Damals erhofften wir uns noch ein „Frauencafe“ und/oder ein Gesundheitszentrum als „Ort der Begegnung“

Dieses Ersuchen blieb bisher ohne Reaktion.

Daher wandte ich mich auch an mir bekannte bzw. mir genannte Fachleute:

* Am 20.5. sandte ich dem mir persönlich bekannten und von mir sehr geschätzten Soziologieprofessor Christoph Reinprecht diese eMail: (Er hat mir bei späterem telefonischen Nachfragen versichert, mir zuverlässig zu antworten.)

„Sehr geehrter Herr Prof.Reinprecht, wir kennen einander ja schon SEHR lange. Zumindest seit dem „Senior-Plus-Projekt“ 1998 im 6.,12. und 15.bezirk. Zuletzt haben wir einander im Arbeitskreis „Senior*innen“ des „Regionalteams Favoriten“ am 9.5.2007 gesehen. Seit meine Frau Helga und ich mit unseren beiden buben in den 80-er-jahren hierher (Zur Spinnerin 2/30, nahe Triesterstraße, Matzleinsdorferplatz) gezogen sind, lernen wir das „Triesterviertel“ zunehmend als „bunten“ stadtteil mit vielen kreativen und interessanten bewohner*innen kennen.

Leider sehen das viele (meist SPÖ-) Stadtpolitiker*innen nicht so. Für sie sind medial „vermarktbare“ Stadtteile wie das „Sonnwendviertel“ oder die „Ankerbrotgründe“ mit möglichst vielen rot/grün/neos-nahen „Bildungsbürger*innen“ wahlstrategisch gesehen attraktiver.

Wir werden leider als „altes (zu oft mit FPÖ-sympathisierenden) Gründerzeitviertel“ zunehmend „vergessen“, sind höchstens ein „Problemgrätzl“ mit „Brennpunktschulen“ und alten einsamen menschen. Wo derzeit viele in der ehemaligen Hellerfabrik (=Pflegewohnhaus Innerfavoriten) gemeinsam und coronabedingt einsam „geschützt“ werden.

Und vor allem: In unserem „Triesterviertel“ gibt es keine (partei- oder kirchenfreie) Begegnungsräume wie z.B. intergenerative „Nachbarschaftszentren“. Unser „Hilferuf“ vom 23.2. an Bgm. Ludwig blieb bisher leider – trotz unterstützung der „Kronenzeitung“ – ohne reaktion.

Zuletzt wurde auch unser ersuchen vom 6.5. um fachliche unterstützung von einem mitarbeiter der MA18 (DI Udo Häberlin, Stadtentwicklung und Stadtplanung) dermaßen ärgerlich „beantwortet“, dass ich keine chance mehr für einen sachlichen dialog mit der Bezirks- und Stadtverwaltung sehe.

Sehr geehrter Herr Prof.Reinprecht, würde sich das „Triesterviertel“ für studierende als praktisches beispiel eines „bunten, aber vergessenen Wiener Grätzls“ eignen? Mit freundlichen grüßen Fritz Endl

* Am 22.6. mailte ich auch an den Soziologen Prof. Simon Günter von der TU-Wien ein Ersuchen um Unterstützung:

Sehr geehrter Herr Professor Dr.Günter, sehr geehrte Institutsmitarbeiter*innen,

Frau Dr.Elisabeth Oberzaucher (Fakultät für Lebenswissenschaften der Uni Wien und Leiterin des Vereins „Urban Human“)  hat mir geraten, mich an Sie zu wenden. Es geht um das „Triesterviertel“, den Stadtteil im 10. Wiener Bezirk entlang der Triesterstraße zwischen Matzleinsdorferplatz und Spinnerin am Kreuz bzw. Wasserturm am Wienerberg.

Meine Frau Helga Endl (Jg 47, pens.VS-Lehrerin) und ich, Fritz Endl  (Jg 42, pens.HS-Lehrer) wohnen hier seit 1980 (Zur Spinnerin 2/30) und machen seither mit unserem Grätzlverein „triesterviertel.at“ ehrenamtliche Grätzlarbeit. Seit 2007 bzw. 2009 dokumentiere ich (FE) diese Bemühungen immer wieder auf der Webseite http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel und durch monatliche „Gedanken eines besorgten Großvaters“ (bisher 136 x) in diesem WordPress-Blog.

Der persönlich oft gute Kontakt mit allen politischen Parteien endet spätestens dann, wenn sie ihre jeweiligen „Brillen“ aufsetzen. Hinsichtlich der kommenden Gemeinderatswahl nehmen sie diese Brille gar nicht mehr ab.

Derzeit beobachten wir auch zunehmend, dass „unser buntes Triesterviertel“ von der Stadtverwaltung  und speziell von den Funktionär_innen der SPÖ-Favoriten „ignoriert“ oder einfach „vergessen“ wird. Dazu meine (FE) letzten WordPress-„Gedanken“: https://fritzendl.wordpress.com/2020/05/01/tag-der-arbeit-bewohnerinnen-des-triesterviertels/

Es fehlt uns im „Triesterviertel“ vor allem ein neutraler „Ort der Begegnung“, um partizipative Projekte öffentlich entwickeln zu können, ohne von außen „gesteuert“ zu werden!

Derzeit hätte unser kleiner Grätzlverein die Chance, so einen Ort=Raum für 1-2 Jahre mieten zu können. (ca 55 qm, Ca 800 € monatlich!) Da fehlt uns natürlich der Totogewinn. Aber mit einem guten Konzept könnten wir  bei der Crowdfunding-Plattform respekt.net bis Juli ein Projekt einreichen („Orte des Respekts“ 2020). Vielleicht könnten wir damit einige Sponsor_innen gewinnen und dann wird die Stadt Wien vielleicht den Rest mitfinanzieren und auch fachliche Unterstützung beisteuern.

Mit Hilfe dieses „Begegnungsraumes“ hoffen wir derzeit, gemeinsam mit möglichst vielen Bewohner_innen, Fachexpert_innen und (nach den GR-Wahlen)  allen politischen Fraktionen das gesamte „Triesterviertel“ zur ersten Wiener „Grätzl-Begegnungszone“ machen zu können.

KANN UNS IHR INSTITUT z.B. BEIM ERSTELLEN EINES KONZEPTES FÜR „RESPEKT.NET“ UNTERSTÜTZEN ???

Das hoffen Helga und Fritz Endl 0650/4814860 Zur Spinnerin 2/30 1100 Wien Verein „triesterviertel.at“ www.triesterviertel.at

Die Antwort von Prof.Günter von 15.7. lässt auf weitere Kontakte hoffen:

Liebe Helga und Fritz Endl,

sorry, dass ich wir uns noch nicht bei Ihnen gemeldet haben. Mit Bedauern sehe ich, dass die Deadline für eine Einreichung der 12.7. war. Konnten Sie ein Konzept einreichen? Ich bin in der kommenden Woche wieder in Wien, und dann könnten wir uns gerne einmal austauschen. Auch plane ich für das Wintersemester eine Lehrveranstaltung zum Thema Gemeinwesenarbeit, vielleicht können sich auch daraus Synergien ergeben.

Beste Grüße, Simon Güntner

Meine Antwort: „Sehr geehrter Herr Prof.Günter, vielen dank für diese information. Für eine teilnahme an dieser speziellen respekt.net -aktion ist es zu spät, aber das kann man mit einem guten konzept vermutlich trotzdem einmal nachholen. Ich würde mit Ihnen sehr gerne persönlich über die möglichkeit einer kooperation – wie und wann auch immer – reden. Wäre das am Mittwoch, 22.7. möglich?

(23.7.2020: Das gespräch hat inzwischen stattgefunden. Über eine stunde tauschten wir im Martin Luther King-Park informationen aus. Ob daraus einmal konkrete kooperationen werden können, wird sich zeigen.)

Im anschluss links zu drei passenden texten in meinem monatlichen wordpress-blog „Gedanken eines besorgten Großvaters“ über das „Triesterviertel“ aus früheren jahren. Mit freundlichen grüßen Fritz Endl

1.) Am 3.5.2012 habe ich von studierenden der TU-Wien die folgende anfrage erhalten: „Sehr geehrter Herr Endl, wir, ein zehnköpfiges Team von Raumplanungsstudenten/-innen der TU Wien, möchten eine Publikation über die Problematik der Ein- und Ausfallstraßen in Wien, als auch im internationalen Vergleich verfassen. Basieren tut dies auf einem Projekt über den Raum der Triester Straße, das wir im letzten Wintersemester 2011/12 bei Professor Rudolf Scheuvens an der TU Wien absolviert haben“ Daraus ist dieser beitrag entstanden.

2.) Über vermittlung der damaligen Gebietsbetreuung wurde das Triesterviertel mit zwei Stadtteilen in den USA und Afrika verglichen:

3.) Zwei mitarbeiter des früheren teams der Gebietsbetreuung haben in „Perspektiven 1/2001“ der MA 18- Stadtentwicklung und Stadtplanung, über ihre zusammenarbeit mit unserem grätzlverein  berichtet. Leider gibt es diese unterstützung seit 2018 nicht mehr.

* Meine aktuell größte Hoffnung auf wissenschaftlich fundierte Unterstützung beruht auf der sogenannten „Mustertheorie“ des 1936 in Wien geborenen US-Architekten Christopher Alexander. Sie ist inzwischen zur wichtigsten Orientierung für meine Bemühungen im „Triesterviertel“ geworden.

Die zweite Auflage 2016 von Helmut Leitner: „Mustertheorie“ (aus: www.amazon.de)

Der Grazer Software-Entwickler Helmut Leitner veröffentlichte 2007 das Buch „Mustertheorie“, eine Einführung in das Lebenswerk von Christopher Alexander.

Helmut Leitner und der Wiener Soziologe Franz Nahrada (Wissenschaftlicher Leiter von GIVE = Forschungsgesellschaft Labor für Globale Dörfer), haben mich 2007 auch eingeladen, im „Triesterviertel“ mit einer „Dorfwiki“- Webseite zu beginnen. Seither dokumentiere ich hier die meisten öffentlichen Aktivitäten: http://www.triesterviertel.at

Am 8.3.2010 sandte mir Helmut Leitner folgende Beschreibung meiner Bemühungen:

Lieber Fritz, in deiner Arbeit mit Erwachsenen und Kindern, in deinen Kontakten zu Organisationen, Politikern und anderen Akteuren, als jemand der aktiv im eigenen Umfeld positive Integrationspolitik betreibt, der das Triesterviertel als ganzes (als Ganzheit) mit seinen Vorzügen und Problemen wahrnimmt und sich darum kümmert, bist du ein wichtiges Zentrum mit einem Feld der Beziehungen und Lebendigkeit rund um dich herum, das nicht existieren würde, wenn du nur ein 08-15 Pensionistenleben mit Einkauf und Hundespaziergang führen würdest.

Aus Alexanderscher Sicht ist es kein Wunder, dass du das intensive Leben dem langweiligen isolierten Leben vorziehst, dass du diese Lebendigkeit spürst und nach ihr verlangst. Von außen möchte man sich wünschen, dass du zunehmend Erfolgserlebnisse hast, indem immer mehr Organisationen und Menschen dich kennen lernen und vertrauensvoll zusammenarbeiten, und andererseits dass du Prototyp und Vorbild sein kannst für andere, einem Muster „Grätzl-Aktivist“ oder „Grätzl-Betreuer“ oder „Grätzl-Meister“ oder „Grätzl-Vertrauensmann“ oder „Grätzl-Ombudsmann“ oder „Ehren-Grätzler“ entsprechende Menschen.

Franz, ich und andere sind zu weit weg, ich noch weiter als er, um das „Triesterviertel“ zu „erkennen“, um eine Urteilsfähigkeit für deine Situation zu haben. Wir können bestenfalls Zusammenhänge erahnen und Muster vorschlagen, damit du sie in Betracht ziehst, verwirfst oder bestätigst, eventuell realisierst.

In diesem Sinne können wir, dich stärkend und zuarbeitend, den Prozess der Entwicklung unterstützen. Wir könnten auch punktuell in Kontakten oder Veranstaltungen an deine Seite treten, wenn du das willst, um zu demonstrieren, dass man dich nicht als Einzelperson, sondern besser als eine Art „Funktionsinhaber“ verstehen soll. Eine Funktion, die in der modernen Stadt noch nicht ausgeprägt wurde, die aber erkennbar wird und die bei Realisierung aus einer Stadt eine bessere Stadt macht…..“

Ich antwortete:

„Lieber Helmut, danke für diese sehr freundliche Analyse meiner Bemühungen im „Triesterviertel“! Dein sehr „handliches“ Büchlein über die „Mustertheorie“ „begleitet“ mich in letzter Zeit ständig.

Deine Bereitschaft, – und von Franz weiß ich das ja auch – mich auch weiterhin mit euren Möglichkeiten zu unterstützen, begründet ja meinen noch immer vorhandenen Optimismus – trotz der (noch) geringen sichtbaren „Erfolgserlebnissen“. Ich glaube auch, dass ich eine Art von „Prototyp“ bin, der hofft, anderen Menschen ein Beispiel im Bereich „Zivilgesellschaft“ geben zu können. Mit einer gewissen Hartnäckigkeit und Ausdauer gibt es im Sinne Ch.Alexander auch bei uns im „Triesterviertel“ manches zu tun. Und bei ihm finde ich meine Bemühungen sehr treffend beschrieben, wie ich das noch nirgends sonst erfahren habe……“

„Muster“ im „Triesterviertel“:

Helmut Leitner machte mir 2010 in Zusammenhang mit einem Workshop über die „Mustertheorie“ auch fast 100 „Muster“- Vorschläge, die für das „Triesterviertel“ in Betracht kommen könnten. Ich ergänzte inzwischen schon einen großen Teil dieser Vorschläge auf Grund der gemachten praktischen Erfahrungen

Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

*) „bunt“ d.h. „Vielfalt im Miteinander und Nebeneinander“

Nicht nur die „Ankerbrotfabrik“ oder das „Sonnwendviertel“! Auch wir möchten wertgeschätzt und nicht „IGNORIERT“, „VERGESSEN“ oder „BENÜTZT“ werden.

Eine Vorbemerkung zu diesem Text:

DIESE WEBSEITE gibt es seit 2007. Dort steht z.B. zur Begrüßung: „Alle im Bezirksparlament vertretenen Parteien sind hier eingeladen, über Angelegenheiten zu informieren, die das „Triesterviertel“ direkt oder indirekt betreffen„…..Das wird vielleicht von Bezirkspolitiker*innen (oder Verantwortlichen von Kirchengemeinden!), die unseren kleinen Grätzlverein „triesterviertel.at“ schon seit vielen Jahren kennen, zwar gelesen, aber meist ignoriert. Wir „bringen“ ihnen ja keine potentiellen Wähler*innen oder Kirchenbesucher*innen, da wir zu ALLEN Bewohner*innen des „Triesterviertels“ den Dialog suchen und die ausschließliche Zusammenarbeit mit einzelnen Interessensgruppen ablehnen müssen.

Einige Beispiele für meist IGNORIERTE Ideen bzw. Projekte:

Eine Demo für die „Kronenzeitung“ am 19.2.2020
https://fritzendl.wordpress.com/2019/06/29/unserem-triesterviertel-fehlt-ein-ort-der-begegnung/

Exemplarisch drei „Chroniken“:

Chronik (Nr.13) der guten Kooperation mit der „alten“ Gebietsbetreuung und dem Infotafel-Projekt „Unser Triesterviertel – Orte erzählen“

Am 9.11.2012 konnten mit der früheren Gebietsbetreuung schon sechs „Orte erzählen“- Tafeln präsentiert werden.
Siegfried Schuller (links) begrüßte Bezirkspolitiker von SPÖ, ÖVP und FPÖ.
  • Seit 1992 haben Expert*innen der damaligen „Gebietsbetreuung Stadterneuerung“ unserer Hausgemeinschaft geholfen, das Haus Zur Spinnerin 2 vor dem möglichen Abriss zu retten.
  • https://fritzendl.wordpress.com/2015/09/30/integration-beginnt-im-wohnhaus-und-graetzl/
  • Diese guten Kontakte setzten sich in den weiteren Jahren auch mit unserem inzwischen gegründeten Grätzlverein fort, als es um die allgemeine Entwicklung des „Triesterviertels“ ging.
  • Darüber berichteten Ing.Siegfried Schuller und DI Thomas Meindl   in den  „Perspektiven 1/2001“ der MA 18- Stadtentwicklung und Stadtplanung,  https://fritzendl.wordpress.com/2019/04/30/draussen-noch-weiter-draussen-und-dazwischen/ 
  • Von 2007 bis 2017 arbeiteten wir mit dieser Gebietsbetreuung und dem Bezirksmuseum Favoriten am Infotafelprojekt „Unser Triesterviertel – Orte erzählen“.
  • http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/Gespr%e4chsThemen/KULTUR/Gr%e4tzlRundwegTriesterviertel
  • 2016 finanzierte uns die Bezirksvorstehung – vor allem durch Unterstützung des damaligen Büroleiters Franz Jerabek – völlig überraschend 2500 Broschüren über die bis dahin 10 „Orte erzählen“-Tafeln. Außer den NEOS zeigte aber leider keine andere Partei und keine der öffentlichen Schulen des „Triesterviertels“ (2 Volksschulen, 2 Neue Mittelschulen) Interesse an Führungen. Unser Stadtteil an der Triesterstraße scheint für Bezirkspolitiker*innen medial zunehmend „uninteressant“ zu sein. 
  • Seit 2018 gibt es ein neues Team in der Gebietsbetreuung . Durch diesen Austausch ist uns im „Triesterviertel“ auch dessen langjährige fachliche Unterstützung verloren gegangen. Unser wichtigster Partner vom „alten“ Team Ing.Siegfried Schuller ist seit 2018 auf der Suche nach neuer Arbeit. Sein umfangreiches Wissen ging damit sowohl unserem „Triesterviertel“ als auch ganz Favoriten verloren.
  • https://fritzendl.wordpress.com/2018/07/28/die-alte-gebietsbetreuung-favoriten-fehlt-uns-sehr/
  • Am 6.11.2019 konnte unser nun stark verkleinertes Planungsteam an der Kleinwohnungsanlage Inzersdorferstr.115, einem Vorläufer zu den Gemeindebauten des „Roten Wiens“, wieder finanziert von den Eigentümern, die 11. Tafel befestigen.  Derzeit warten wir auf eine Nachricht von Wohnbau- und Frauenstadträtin Kathrin Gaal, ob auch am „Quarinhof“ – es wäre der erste Gemeindebau – die 12. „Orte erzählen“-Tafel  geplant werden darf.

Chronik (Nr.15) des „VERGESSENEN“ „sALTo“- Projekts“ („Gut und selbstbestimmt älter werden im Stadtteil“, 2006-08)

Offizielles Video: https://www.wien.gv.at/video/98570/Projekt-sALTo-Gut-und-selbstbestimmt-aelter-werden-im-Stadtteil

sALTo-Studie kostenlos bestellen: https://www.wien.gv.at/wienatshop/Gast_STEV/Start.aspx?artikel=95056

Offizieller Abschussbericht: https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008022.pdf

http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/N%e4heres__zur__Plattform/PlattformChronikUndArchiv/MachMitArchiv/sALTo-Projekt/Offizielles

Im Arbeitskreis  „Stadtplanung intergenerativ : Grätzl“ der MA18 am 5.9.2006 wurde in einem „Aktenvermerk“ festgehalten: (Hervorhebung FE)

„Die Bereichsleitung für Strukturentwicklung und die MA 18 Stadtentwicklung und Stadtplanung vereinbaren nun zunächst mit dem 10. Bezirk (Triesterviertel ) mit hohem Anteil alter Menschen 2001) und dem 22. Bezirk (Quadenviertel) mit hohem Anteil alter Menschen 2020) Gesprächstermine, um die grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit in einem Pilotprojekt auszuloten. Die Unterstützung des Bezirkes wird von allen TeilnehmerInnen als wichtige Rahmenbedingung unterstrichen. Die Bezirke sollen über den Inhalt des Projektes „Integratives Grätzl – Alter, Gesundheit, Herkunft“ informiert werden. Die gewünschten Anforderungen an den Bezirk umfassen die Bereitschaft, einen Ansprechpartner (z.B.: die/der Seniorenbeauftragte des Bezirks) zu nennen und für die Fortsetzung des Projektes in den Folgejahren Budgetmittel bereitzustellen, um im Sinne der Nachhaltigkeit in den Folgejahren das Begonnene auch weiterzuführen.

Die beiden Bilder aus dem „Werkstattbericht“ der Stadtverwaltung (Nr.96/2009) : Vom „Triesterviertel“ waren in der „Resonanzgruppe“ einzig Frau Berta Klement (Jg 1923) und der Schreiber (Jg 1942) beteiligt. Mit uns am Tisch Frau DI Brigitte Jedelsky von der MA18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung).

Bei der Abschlussveranstalung des sALTo-Projekts am 12.11.2008 wurde z.B. das Projekt „Telefonringe“ (damals „Telefonketten“) als eines der hoffnungsvollsten Projekte „mit großem Potenzial“ hervorgehoben. 

http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/Gespr%e4chsThemen/KOMMUNIKATION/TelefonRinge/Chronik/sALToBrosch%fcre

http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/Projektideen/AktiveProjekte/TelefonRinge/Chronik#Mittwoch12112008BeidersALToAbschlusstagungundimsALToBerichtalspositivhervorgehoben

Im Unterschied zum „Quadenviertel“ hat daher Favoriten den Auftrag der Stadtverwaltung NICHT ERFÜLLT. Das bestätigte noch am 29.1.2009 die damals gut informierte (frühere) Favoritner Bezirksrätin Karin Schmidt auch auf Ö1: „Also für uns ist das Projekt jetzt zu Ende.“ (Der Link zum gesamten Text der Sendung ist im Anschluss.)

Unsere Fragen ergeben sich daher:

  • Wieso hat sich denn der Bezirk Favoriten 2006 überhaupt um das sALTo-Projekt bemüht?  
  • Wieso wurde er ausgewählt?
  • War denn nicht vorhersehbar, dass sich Favoriten nicht an die Vereinbarungen halten wird?
  • Warum haben alle anderen Fraktionen ihre wichtige Kontrollfunktion nicht erfüllt? Immerhin ging es um viel Steuergeld, die im Unterschied zum 22.Bezirk in Favoriten „in den Sand gesetzt worden sind“.

Die Bedeutung des sALTo-Projektes besonders in „Coronazeiten“ ist offensichtlich. Die fehlende Unterstützung müssen auch die damals beteiligten Politiker*innen verantworten.

In Erinnerung an den ehemaligen Mitarbeiter von PlanSinn und „Erfinder“ des „Telefonrings“, den Altersforscher Heinrich Hoffer (er verstarb diesen Jänner), sollte es wenigstens gelingen, einen solchen „Telefonring“ im „Triesterviertel“ zu erproben. Möglichst mit Hilfe unserer Grätzlärzte/- ärztinnen.

Ö1-Journal-Panorama-Sendung vom  29.1.2009

Gestaltung: Isabelle Engels

Moderatorin: „Das Wiener Pilotprojekt“ sALTo – gut und selbstbestimmt älter werden im Stadtteil“ ist ein Projekt zum Umgang mit demographischem Wandel. Es sollte auf Fragen, die die Alterung aufwirft konkrete Antworten geben und Maßnahmen setzen, die in zwei unterschiedlichen Stadtteilen erprobt wurden und von anderen Bezirken oder Städten nachgeahmt werden sollen.

Gesamter Text des Gesprächs in „Gabis Schmankerln“ („Quarinpassage“):

„sALTo“: Älter werden in vertrauter Umgebung.

Für uns Großeltern passt besonders in der aktuellen globalen Pandemie ein alter, wenig veränderter, Aufruf: „Großeltern aller Parteien vereinigt euch!“

Chronik (Nr.6) vom „Bildungsgrätzl Triesterviertel“ Da wurden wir von der Bezirkspolitik „BENÜTZT“ (seit 2017).

2017 setzte unser kleiner Grätzlverein „triesterviertel.at“ noch große Hoffnungen in das „Bildungsgrätzl“-Konzept von Stadtrat Jürgen Czernohorzsky. Wir engagierten uns sehr bei den ersten Veranstaltungen.

Am 28.11.2018 in der Bezirksvorstehung waren wir noch optimistisch.

Schon beim ersten Planungsgespräch am 26.1.2018 bei BV Marcus Franz mit dem zuständigen Referenten Mag.Hauswirth von StR. Czernohorzsky überraschte uns die NEOS- Bezirksrätin Christl Hahn durch ihre Anwesenheit: „Ich habe mich hineinreklamiert. Wir haben ja eine Anfrage zum Bildungsgrätzl gestellt“ meinte sie als Begründung. (Den Termin hatte sie- aus heutiger Sicht: leider – am Vortag von mir erhalten) Seiher beteiligte sich die pensionierte Lehrerin sehr aktiv an den verschiedenen Treffen. 

Meine Frau und ich bemühten uns bei Bezirksvorsteher Marcus Franz vergeblich, auf diese Instrumentalisierung durch Parteipolitik aufmerksam zu machen und zogen uns daher zurück.

Gute Kontakte zur Bezirkszeitung „bz“ und die Möglichkeit für Pensionist*innen wie Christine Hahn von den NEOS, an den Bildungsgrätzl-Terminen teilzunehmen, bestimmten zunehmend deren Gestaltung.

Derzeit bezeichnet sich die Klubobfrau der Favoritner NEOS als „Initiatorin des Bildungsgrätzl Triesterviertel“ und ist Mitglied der „Koordinationsgruppe“.

Unser Grätzlverein „triesterviertel.at“ fühlt sich als Mitinitiator des „Bildungsgrätzl Triesterviertel“ vor allem von SPÖ und NEOS benützt. (Vermutlich für strategische Überlegungen in Richtung kommender Gemeinderatswahlen.) Von den anderen Fraktionen hätten wir uns viel mehr Widerstand gegen diese „Verpolitisierung“ des anfangs zukunftsweisenden „Bildungsgrätzl-Konzeptes“ erwartet.

Zur Dokumentation der Chronik des „Bildungsgrätzl Triesterviertel“ auf der Webseite www.triesterviertel.at: http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/Projektideen/AktiveProjekte/Bildungsgr%e4tzlTriesterviertel


Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

Hausärzte/-ärztinnen sind „Personen des Vertrauens“. Sie könnten auch helfen beim Aufbau von „Telefonringen“ für isolierte Menschen in der Nachbarschaft. Daher eine Bitte auch an die Wiener Ärztekammer.

Unser damaliger „Hausarzt“ Dr.Helmuth Grohs kooperierte mit unserem kleinen Grätzlverein (heute: „triesterviertel.at“) schon seit 1993. Mit ihm und seiner Ordinationshilfe haben wir z.B. versucht, von der Stadt Wien finanzielle Unterstützung für das Pilotprojekt einer ehrenamtlich organisierten „Behinderten- und Seniorenbetreuung“ im „Triesterviertel“ zu erhalten. Leider wurde das abgelehnt, aber Dr. Grohs unterstützte uns weiterhin bei verschiedenen Aktivitäten im „Triesterviertel“. 2017 ist er in Pension gegangen.  

Gestern am 20.4. 2020 konnte nach bald drei Jahren Warten Frau Dr.Ewa Scholz als dessen „Nachfolgerin“ eine neue Ordination im „Triesterviertel“ eröffnen.

………………………………………………….Foto: Bezirkszeitung „bz“

Foto 15.4.2020 privat

Zur Entstehung des „Telefonring“-Konzeptes:

Es wurde im Rahmen des „sALTo Projekts – Gut und selbstbestimmt älter werden im Stadtteil“ entwickelt und erprobt, das 2006-2008 von der MA18 im „Triesterviertel“ und im „Quadenviertel“ (22.Bezirk) durchgeführt worden war. (Video dazu: https://www.wien.gv.at/video/98570/Projekt-sALTo-Gut-und-selbstbestimmt-aelter-werden-im-Stadtteil).

Unser Verein „triesterviertel.at“ bemüht sich nun um Unterstützung bzw. Realisierung dieser guten Idee, die coronabedingt eine noch größere Bedeutung erhalten hat.

Der „Telefonring

Chancen:   Vereinsamung, Isolation verringern – Sicherheitsempfinden stärken –   Soziales Netzwerk vergrößern  – Mobilitätsnachteile ausgleichen – Aber: Keine Notfalls- oder Kriseninterventionsfunktion

Das Konzept (von Heinrich Hoffer, PlanSinn, gest. Jan.2020)

5-10 Personen (möglichst aus der Nachbarschaft) erklären sich bereit zur Teilnahme. Sie vereinbaren eine Kernzeit von 1-2 Stunden, in der täglich von A an B usw. kurze Anrufe von 1-2 Minuten stattfinden („Wie geht’s? „Was haben sie heute vor?“) Letzter Teilnehmer wieder zu A. (Nachher sind weitere individuelle Gespräche möglich.) – Zentral ist die Person A. Sie kennt Nachbar-Telefonnummern von allen, falls jemand nicht abhebt und klärt die Ursache. 

Unsere Bitte an die Ärztekammer Wien:

„Telefonringe“ können besonders für Personen mit wenigen Kontakten bewirken, dass sie jeden Tag verlässlich angerufen und gefragt werden, ob alles in Ordnung ist. 

Vor allem „Grätzlärzte/-ärztinnen“ besitzen die entsprechenden Informationen und das nötige Vertrauen. Es wäre sehr hilfreich für das Bilden von möglichst vielen „Telefonringen“ in Wien, wenn sie Patienten/Patientinnen von dieser Kontaktmöglichkeit informieren und sie auch zur Teilnahme ermuntern würden.

Eine entsprechende Empfehlung durch die Ärztekammer wäre dabei sicher hilfreich.


Frühere Texte zu den Themen „Gesundheit“, „Einsamkeit“ und „Begegnungsräume“: 

https://fritzendl.wordpress.com/2020/02/23/an-bgm-ludwig-denken-sie-bitte-auch-an-unser-triesterviertel/

https://fritzendl.wordpress.com/2019/06/29/unserem-triesterviertel-fehlt-ein-ort-der-begegnung/

https://fritzendl.wordpress.com/2018/04/26/geschafft-praktische-aerztin-kommt-ins-triesterviertel/

https://fritzendl.wordpress.com/2018/03/04/unsere-gesellschaft-ist-noch-gesund/   

https://fritzendl.wordpress.com/2014/06/30/gegen-die-einsamkeit-in-der-grosstadt/

https://fritzendl.wordpress.com/2011/07/30/gratzlarztearztinnen-sind-keine-automechaniker_innen/

https://fritzendl.wordpress.com/2011/01/31/gesunde-gratzln-brauchen-aktive-arztinnen-und-arzte/

 

Der 5.4.1985 war ebenfalls ein Karfreitag, als unser jüngerer Sohn Gerhard vierzehnjährig in der Intensivstation des KH Innsbruck verstarb. Er war am 31.3. beim Schifahren gestürzt und lag nach einer Kopfverletzung in künstlichem Schlaf. Um 16 Uhr wurden die Geräte abgedreht.

Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

Dazu zwei frühere WordPress-Texte:

https://fritzendl.wordpress.com/2015/07/29/selbsthilfegruppe-trauernde-eltern-wien-gegruendet/

https://fritzendl.wordpress.com/2015/12/27/meine-liebe-findet-dich-auf-unserm-stern/

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Das Österreichische Siedlungswerk rettete 1995 nicht nur ein Haus, sondern auch die Gemeinschaft“ – Ein Mieter berichtet.

Leider erhalten wir derzeit zu wenig Unterstützung , um die frühere gute Hausgemeinschaft in diesem positiven Beispiel einer „sanften Stadterneuerung“ „am Leben“ zu erhalten.

Den Titel meines Beitrages über unser Haus in der Zeitschrift „FUNDAMENT – Neues Wohnen 2/02 „des ÖSW verfasste ich noch aus Dankbarkeit für die Übernahme und Sanierung unseres Hauses. In der Folge wechselten beim ÖSW die für unser Haus zuständigen „Objektmanager“ immer wieder. Durch Veränderungen bei uns Mieter*innen wurde nach der Sanierung auch bei uns der Zusammenhalt schwächer. Noch der vorletzten „Objektmanagerin“ war eine Unterstützung unserer Hausgemeinschaft ein spürbares Anliegen. Sie lud deshalb 2015 zur bisher letzten Hausversammlung ein. Der seit 2017 zuständige „Objektmanager“ ist leider nicht bereit, mit uns in einer Hausversammlung zu sprechen. Ohne der früheren Unterstützung durch die Hausverwaltung ist es coronabedingt nun auch in unserem Haus sehr schwer, wenigstens über Telefon oder Internet Kontakte aufrecht zu erhalten.

Am 22.3. machten wir deshalb (wieder ohne Hausverwaltung) eine Hausversammlung (mit Sicherheitsabständen) und verfassten anschließend dieses Protokoll. Bisher ohne Reaktionen.

Liebe Mitbewohner*innen, wir haben uns wegen des Coronavirus mit Frau NN und Herrn NN (im Gemeinschaftsraum) getroffen. Frau NN war entschuldigt. Uns ist wichtig, den Kontakt in unserem Haus möglichst aufrecht zu erhalten. Um z.B. Informationen weiter zu geben, die für ALLE Bewohner*innen nützlich sein könnten. Das kann auf telefonischem Weg geschehen oder auch über das Internet. Wichtig ist uns dabei, dass ALLE Bewohner*innen unseres Hauses auch die Texte GUT VERSTEHEN. Daher ersuchen wir Sie/euch, uns Sprachen mitzuteilen (Telefonisch oder e-Mail), in die wir Texte im Internet übersetzen lassen sollten. Wenn du/Sie weitere Informationen per e-Mail oder Whatsapp erhalten möchtest/möchten, sende/n Sie uns bitte eine Testnachricht. Helga und Fritz (Endl) Tel: 0650/4814860 eMail: fritz.endl@gmx.at“

Zur Geschichte unseres Hauses:

1995 ist unser Miethaus 1100, Zur Spinnerin 2, ein Altbau aus dem späten 19. Jahrhundert, zu einem Spekulationsobjekt geworden.

ca 1925 privat

Aber: Bei meinem Anruf im Rahmen eines Radiointerviews am 19.1.1995 versprach uns der damalige Stadtrat Werner Faymann Unterstützung. Und wirklich: Nach einigen Monaten Informationaustausch mit dem Büro von Stadtrat Faymann übernahm Ende 1995 das ÖSW unser Haus. Es gab eine Sockelsanierung und das „Schmuckkästchen“ konnte uns Bewohner*innen vom Vorstandsdirektor DI Michael Pech im sommer 1998 übergeben werden.

2002 wurde ich außerdem vom ÖSW eingeladen, im „FUNDAMENT – Neues Wohnen 2/02 “ als Mieter über die Geschichte unseres jahrelangen Kampfes zu berichten. Ich gab meinem Bericht den Titel „Haus und Gemeinschaft gerettet“

Dieser Text etwas lesbarer:

Haus und Gemeinschaft gerettet

Wann das Haus Zur Spinnerin 2 im 10.Wiener Gemeindebezirk gebaut worden ist, konnte ich noch nicht genau feststellen – vermutlich um 1880. Die Zimmer-Kuchl-Kabinett-Wohnungen mit Bassena und Klo am Gang waren für damalige Verhältnisse ein Fortschritt. Der Fuhrwerksunternehmer Carl Weber hat die Weberhäuser im Bereich Triesterstraße – Quellenstraße – Buchengasse neben seinem Betriebs-Gutshof (wo heute Autos der Marken Nissan, Jaguar u.a. verkauft werden) für seine Kutscher und deren kinderreichen Familien bauen lassen.

Seit meine Familie und ich 1980 hier eingezogen sin, wechselte das Haus mehrmals die Eigentümer. Es drohte das Schicksal vieler ähnlicher alter Zinshäuser, die nur mit hohem finanziellen Aufwand saniert werden könnten: Spekulationsobjekt, Mieter hinausdrängen und Abbruch. Für ältere Menschen und Zuwandererfamilien, wie sie auch bei uns wohnen, in ähnlichen Fällen leider ein häufiges Schicksal. Aber nicht bei uns!

Hilfe durch ÖSW

Mit Hilfe vieler Hausversammlungen und einiger Hauszeitungen konnten enorme Widerstandskräfte mobilisiert werden. Beinahe hätten wir das Haus selber gekauft! Zu unserem Glück war das aber schließlich doch nicht nötig. Denn das Österreichische Siedlungswerk erwarb 1995 durch Vermittlung des Büros von Stadtrat Faymann unser Haus. Durch die 1994 mit Hilfe der Gebietsbetreuung (Frau DI Bernhard sei Dank!) eingereichte Sockelsanierung wurde unsere Hüttn endlich vom Keller bis zum Dach rundumerneuert. Unsere Freude über die neuen Eigentümer und das wie neue Haus fand am 19.5.1998 in der Hauszeitung anlässlich der Übergabefeier ihren schriftlichen Niederschlag: „Nach 15 Jahren hartnäckigem Kampf gegen viele Hindernisse ist, dank unserer guten Hausgemeinschaft und dem Österreichischen Siedlungswerk, aus dem Schandfleck im Grätzl ein Schmuckkästechen geworden, auf das wir stolz sein können. Die Kontakte zum ÖSW als Eigentümer und zur Verwaltung entwickeln sich optimal.

Resümee nach Jahren

In unserer Hausgemeinschaft ist wieder die relative Ruhe des Alltags eingekehrt. Wir genießen die baulichen Verbesserungen im Haus und in den Wohnungen. Wasser und WC sind nicht mehr am Gang – es gibt einen Aufzug. Die vom Schreiber erhofften gemeinsamen Aktivitäten finden leider (noch immer) nicht statt, trotz eines Gemeinschaftsraumes mit Tischtennistisch im Keller. Dem Gegenüber steht jedoch ein Erfolg, der vielen Menschen in ähnlichen Mietshäusern Wiens zu wünschen ist: Alte und Junge, Alteingesessene und Zuwanderer, haben sich nicht gegenseitig bekämpft, sondern – mit Unterstützung von außen – einen gemeinsamen Preis errungen: Ein schönes Haus, in dem wir gerne wohnen!

Wir haben den Ehrgeiz, dass unser Haus SOWOHL als ein erfreuliches Modell im sinne der „Sanften Stadterneuerung“ UND als eine gemeinschaftsfördernde Baumaßnahme öffentlich bekannter wird.

2008 schrieb ich deshalb z.B. in einem (leider nicht veröffentlichten) leserbrief an „Krone“, „Kurier“ und „Standard“: „Unser Haus ist aus meiner Sicht ein Modell, wie Integration durch entsprechende Wohnbaumaßnahmen unterstützt werden könnte. Dafür sind wir Herrn Faymann bzw. seinen MitarbeiterInnen noch immer sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen, Fritz Endl“

Soweit Dokumente aus der Vergangenheit und unserer Hoffnungen, dass unser Haus ein positives Beispiel für die Stadtverwaltung sein könnte. Für unser Haus und auch für unser „Triesterviertel“ war die fachliche Unterstützung durch die damalige Gebietsbetreuung enorm wichtig. Das seit 2018 neue Team der GB* hat dafür keinen Auftrag mehr. Die Verantwortung dafür tragen Bürgermeister Michael Ludwig als früherer Wohnbau-Stadtrat und seine Nachfolgerin Kathrin Gaal, zugleich auch SPÖ-Vorsitzende unseres Bezirks.

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Dazu passen folgende frühere Texte:

https://fritzendl.wordpress.com/2011/11/27/groseltern-wir-haben-eine-verpflichtung/

https://fritzendl.wordpress.com/2014/06/30/gegen-die-einsamkeit-in-der-grosstadt/

https://fritzendl.wordpress.com/2014/09/30/wo-konnen-wir-noch-mit-nachbarn-tratschen/

https://fritzendl.wordpress.com/2014/12/29/die-osmanen-sind-jetzt-unsere-nachbarn/

https://fritzendl.wordpress.com/2015/04/30/gute-nachbarschaft-fangt-im-wohnhaus-an/

https://fritzendl.wordpress.com/2015/09/30/integration-beginnt-im-wohnhaus-und-graetzl/

https://fritzendl.wordpress.com/2018/07/28/die-alte-gebietsbetreuung-favoriten-fehlt-uns-sehr/

https://fritzendl.wordpress.com/2019/04/30/draussen-noch-weiter-draussen-und-dazwischen/

Ecke Knöllgasse/Quellenstraße  wären ab März 700 m² für ein „Frauencafé und/oder Gesundheitszentrum“ zu mieten.

Am 19.2. hat meine Frau und mich (= Verein „triesterviertel.at“) ein Fotograf der „Kronenzeitung“ mit diesem Transparent vor dem ehemaligen Jugendbeschäftigungprojekt  „SpaceLab“ (Es übersiedelte ins Sonnwendviertel) fotografiert. (Veröffentlicht wird es „in den nächsten Tagen„). Wir baten anschließend eine Bekannte, ebenfalls ein Foto zu machen.

Ab März besteht nämlich die Gefahr, dass diese Räumlichkeiten auch an eine Supermarktkette wie z.B. SPAR vermietet wird.

Dadurch würden auch diese Räumlichkeiten zu einer für uns Bewohner*innen wichtigeren Verwendung verloren gehen, denn Supermärkte gibt es in der Nähe schon mehr als genug!

Auf der Fläche von insgesamt 700 m² (Erdgeschoss 550 m², 1.Stock 150 m²) könnten z.B. ein „Frauencafe“, Gemeinschaftspraxen von Gesundheitsberufen, ein Mehrzweckraum für Informations- und kulturelle Veranstaltungen, verschiedene Selbsthilfegruppen, ehrenamtliche Aufgabenhilfen oder ein Büro zum Organisieren von Nachbarschaftshilfe u.a. Platz finden.

Damit könnte auch unser „Triesterviertel“ endlich einen (hoffentlich auch mit uns gemeinsam geplanten) „Ort der Begegnung“ erhalten.

Die Stadtverwaltung könnte beweisen, dass sie im „vielfältigen Favoriten“ nicht nur medienwirksame Bezirksteile wie das Sonnwendviertel *), den Hauptbahnhof, die Biotope City Wienerberg, die ehemalige Ankerbrotfabrik oder den Haschahof sichtbar unterstützen kann, sondern auch „UNSER TRIESTERVIERTEL“ !

*) Dort gibt es sogar ein eigenes Außenbüro der „Gebietsbetreuung“. Uns wurde deren Unterstützung 2018 entzogen. (Siehe: https://fritzendl.wordpress.com/2019/04/30/draussen-noch-weiter-draussen-und-dazwischen/


Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

Passende frühere WordPress-Texte:

https://fritzendl.wordpress.com/2019/04/30/draussen-noch-weiter-draussen-und-dazwischen/ Beitrag der „alten“ Gebietsbetreuung

https://fritzendl.wordpress.com/2019/06/29/unserem-triesterviertel-fehlt-ein-ort-der-begegnung/ Unserem Triesterviertel fehlt ein „Ort der Begegnung“

http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/GedankenInhaltsVerzeichnis#Gesundheit Themen zur „Gesundheit im Triesterviertel“

Hier sollen künftig die Verschiedenheiten unseres Grätzls, aber vor allem unsere Gemeinsamkeiten gezeigt werden.

Die „Quarinpassage“ , die kleine Geschäftszeile an der Quaringasse zwischen Knöllgasse und Zur Spinnerin Gasse, gibt es seit 2004. Schon seit Baubeginn des gesamten Wohnhauses im Jahr 2002 war der Eigentümer und zugleich Architekt DI Herbert Scheiner an einer Zusammenarbeit mit der damaligen Gebietsbetreuung und unserem kleinen Grätzlverein sehr interessiert. Auch die Zusammenarbeit mit dem Bezirk klappte sehr gut.

Als Glücksfall im doppelten Sinn erwies sich seit Beginn die Betreiberin des Gasthauses „Gabis Schmankerln“. Gabi Sich kocht nicht nur sehr gut, sie hat auch großes soziales Einfühlungsvermögen und organisiert immer wieder die zunehmend gut besuchten „Flohmärkte“ in der Passage.

Daher ergab sich auch das Bestreben unseres kleinen Grätzlvereins, mit „Gabis Schmankerln“ im Sinne einer Verbesserung der Kontakte in der Nachbarschaft zusammenzuarbeiten.

Neben dem Gasthaus eignet sich in Ergänzung die „Quarinpassage“ sehr gut als „Ort der Begegnung“. Hier kann es sowohl Podiumsdiskussionen und Gespräche mit Fachleuten, Bezirksräten/Bezirksrätinnen geben als auch kleinere musikalische oder literarische Präsentationen.

Es hat ja schon in der Vergangenheit einige gutbesuchte Veranstaltungen gegeben, die auch vom Eigentümer der Passage DI Scheiner unterstützt worden sind: 

Quarinpassage-2013-03-22

Podiumsdiskussion mit FPÖ-Bezirksrat Stefan Berger und ÖVP-Klubobmann Thomas Kohl am 22.3.2013

Am 22.3.2013 hat am Vormittag auch der Schulchor der Volksschule Knöllg.59 gesungen und anschließend wieder Kinder der beiden Kindergärten in der QuaringasseSchulchor VS Knoellg.59 22.3.2013

Im Dezember 2006 hat von 11.-13.12. ein Weihnachtsmarkt stattgefunden, an dem auch wieder die Kinder der beiden Kindergärten in der Quaringasse mit ihren sehr engagierten Pädagoginnen teilgenommen haben.

5.12.2006

12.12.2006

Hier können sich vor allem bisher unentdeckte junge und alte Talente aus der Nachbarschaft einem kleinen Publikum vorstellen.

In den kommenden Monaten soll daher versucht werden, gemeinsam mit Bewohner*innen die „Quarinpassage“ zu einem Treffpunkt im „Triesterviertel“ auszubauen.

Wie soll das konkret geschehen?

Der Verein „triesterviertel.at“ sammelt während der kommenden Wochen in der „Quarinpassage“ Vorschläge für Veranstaltungen. Und vielleicht zeigen Bewohner*innen auch Interesse, uns bei der weiteren Planung zu unterstützen.

Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher veröffentlichten Beiträge

„Eine Frauenbewegung, die angepasst ist, ist keine Frauenbewegung mehr“

in „Ö1-Gedanken“ am 29.12.2019:  „Mit aller Kraft gegen Gewalt“ https://oe1.orf.at/programm/20191229/582946/Andrea-Brem-Mit-aller-Kraft-gegen-Gewalt

„Zurückblickende und vorausschauende Gedanken der Leiterin der Wiener Frauenhäuser.“

Fritz Endl: Vorbemerkung zu diesem „Gedanken“-text: Ich bin sehr beeindruckt gewesen, als ich mit meiner frau Helga diese Ö1-sendung am 29.12. gehört habe. In unserem wohnhaus und im „Triesterviertel“ leben vermutlich ebenfalls frauen und kinder, deren häuslichen gewalterfahrungen Frau Brem so eindrücklich beschreibt. Eine zusammenarbeit mit mitarbeiterinnen der „Wiener Frauenhäuser“ würde ich mir daher auch für unser „Triesterviertel“ sehr wünschen. Vielleicht kann das im jahr 2020 möglich sein.

Plan vom „Triesterviertel“

Einleitung: (ORF)

Es sind nicht nur die beachtlichen politischen und gesellschaftlichen Errungenschaften und Fortschritte im Kampf gegen Gewalt an Frauen, aus denen die langjährige Leiterin der Wiener Frauenhäuser https://www.frauenhaeuser-wien.at/ Frau Andrea Brem ihre Motivation bezieht, es sind vor allem die täglichen kleinen und großen Erfolge. Überspitzt gesagt: Die Summe der Einzelfälle wiegt mehr als das Ganze.

In Österreich gibt es 30 Frauenhäuser. Allein in den vier Wiener Einrichtungen werden aktuell Jahr für Jahr über 600 Frauen und ebenso viele Kinder betreut. Die Zahlen steigen. Verantwortlich dafür sei nicht nur ein „gesellschaftlicher Backlash“, warnt Andrea Brem, sondern auch neue Formen des Psychoterrors: „Cybergewalt – mittels Mobbing, Spyware und Erpressung – nimmt in letzter Zeit stark zu.“

Bereits während des Studiums an der Sozialakademie arbeitete Andrea Brem als Praktikantin in einem Frauenhaus. Vor über 30 Jahren begann ihre hauptberufliche Laufbahn beim „Verein Wiener Frauenhäuser“. Seit 2001 ist sie als dessen Geschäftsführerin tätig. Im Vorjahr wurde sie anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Eröffnung des ersten Frauenhauses in Wien mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien und dem Frauenpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. In diesen vergangenen 40 jahren hat sich manches zum guten verändert, aber noch lange nicht genug, denn die gewalt gegen frauen äußert sich weiterhin nicht nur körperlich und psychisch, sondern auch ökonomisch und stukturell. Sie hat viele facetten, aber nur ein gesicht, ein männliches. „Gewalt“, erkannte schon Eysack Eysimoph, „ist die letzte Zuflucht des Unfähigen.“

Den Opfern dieser Unfähigen ist Andrea Brems Beruf und Berufung. Und trotz der beachtlichen beruflichen und gesellschaftlichen Errungenschaften und Fortschritte sind es vor allem die täglichen kleinen und großen Erfolge, die Einzelfälle, aus denen sie ihre unermüdliche Motivation bezieht.

Foto: Clemens Fabry – DiePresse.com 12.9.2018

„Jede Frau, der es gelingt, der häuslichen Gewaltsituation zu entkommen, ist ein großer Gewinn“, erläutert Andrea Brem, „und jedes Kind, das nicht in den Sog der familiären Gewaltspirale gezogen wird und daher später einmal nicht selbst Täter oder Opfer wird, ist ein fundamentaler Beitrag für die Zukunft und die Gesundung unserer Gesellschaft.“

 Fritz Endl: Ungekürzte Mitschrift  (Hervorhebungen FE)  

Die Mitbetroffenheit der Kinder bei häuslicher Gewalt.

„Es sind die geschichten der frauen, dass frauen wahnsinnig verletzt, seelisch und körperlich, zu uns kommen und sie nach ein paar monaten als selbstbewusste frauen wieder ausziehen, die wieder freude am leben gefunden haben, die vielleicht einen job haben, der ihnen spass macht, sie vielleicht das erste mal in ihrem leben einen wohnungsschlüssel in ihrer hand haben und die einfach wieder lust haben, sich mit menschen zu treffen und auch fortzugehen. Wenn man das erlebt, dann macht das einfach ziemlich happy, weil dieser unterschied so ein großer ist. Man muss ja denken, es sind ja nicht nur die frauen, es sind ja eine riesige schar von kindern, denen wir da ein neues gewaltfreies leben ermöglichen. Das finde ich wahnsinnig wichtig, weil die mitbetroffenheit der kinder bei häuslicher gewalt ist einfach entsetzlich. Sie wird oft noch verharmlost, aber wenn kinder miterleben, wenn der papa die mama haut, dass die mama um hilfe schreit, dass die mama verletzungen hat, dass sie zerstörte gegenstände finden, das ist der blanke horror für kinder. Das ist genauso traumatisierend wie wenn sie selber misshandelt werden. Also die kinder allein sind schon total wert, dass man da hilfe leistet. Das ist keine frage.“

Gleichberechtigung in der Ehe gibt es erst seit einer Generation.

„Eigentlich ist es ja noch nicht gar so lange her, dass überhaupt einmal die gleichberechtigung der frauen in der ehe fest gelegt worden ist. Das war erst 1975. Das ist erst vor einer generation, wo das passiert ist. Da wurde erst einmal festgeschrieben, dass der mann nicht mehr bestimmen konnte, dass die frau berufstätig sein darf oder nicht oder den reisepass der frau unterschreiben musste. Dass der gesellschaftliche sprung, den wir da her gemacht haben, eigentlich noch gar nicht so lange her ist und die nachwehen sozusagen immer noch in unser leben hineinspielen.

Die neuordnung des kindschaftrechts, die ist ganz wichtig, die 77 passiert ist, wo überhaupt einmal die väterliche gewalt sozusagen abgeschaftt worden ist und vater und mutter mit gleichen rechten und pflichten für die kinder zu sorgen haben. Das war natürlich auch ein riesen meilenstein und auch dass die kinder nicht nur gegenstand elterlicher bestimmung waren sondern auch eigene rechte haben. Beides waren maßnahmen, die das thema „Häusliche Gewalt“ sozusagen verändert haben. Und ich denke, es ist auch kein zufall, dass die eröffnung des ersten Frauenhauses 1978 auch in diese zeit gefallen ist.

Männer haben oft ein starkes Besitzdenken ihrer Familie gegenüber

Ich glaube, die errungenschaften der frauenbewegung und auch der frauenpolitik damals, das muss man schon sagen, das war ein zusammenspiel. Dass die oftmal heutzutage als zu selbstverständlich genommen werden, aber sowohl die möglichkeit der abtreibung als auch die familienrechtsänderungsreform und auch die schaffung von frauenhäusern. Die waren wirklich meilensteine für frauen. Bis 78 konnten frauen, die keine möglichkeit hatten, irgend woanders hinzugehen, einfach nicht von daheim weg. Sie waren den gewalttaten einfach ausgesetzt und sind immer wieder zu irgendwelchen nachbarn geflüchtet daheim, weil sie nirgends wohin konnten, weil ihnen niemand geholfen hat. Das war eine ganz schreckliche zeit für frauen eigentlich. Mit der schaffung von frauenhäusern hat sich ein bisschen das machtverhältnis geändert. Allein dadurch, dass die frauen die möglichkeit haben, irgendwo hinzugehen. Da ist einfach ein ausweg da und sei es nur einmal ein gedanklicher ausweg. Zu sagen: Ja, ich könnte mir hilfe holen. Ich denke, das ist ein ganz wichtiger schritt, der auch ein bisserl zu einer machtveränderung geführt hat.“

Wie wir das Frauenhaus eröffnet haben, war das natürlich auch mit viel spott und häme verbunden. Ich weiß noch, dass in einem der ersten interviews, das damals die Johanna Dohnal und die Irmtraud Leyrer-Karlsson, die damals sozusagen für die Frauenhäuser gestanden sind, geführt haben, schon die ätzenden meldungen gekommen sind: Ja, die frauen misshandeln ja auch ihre männer und wieso werden dann keine männerhäuser geschaffen. Das ist glaube ich die am häufigsten gestellte frage, die mir in meiner ganzen zeit im frauenhaus gestellt worden ist und fast jedem vortrag in jeder schulung meldet sich irgendwer, meistens ist es auch durchaus eine frau zu wort, die sagt: Ja, in meinem bekanntenkreis gibt es auch einen mann, der wird von seiner frau geschlagen. Das ist ganz wichtig, mir das zu sagen, mir als frauenhausmitarbeiterin. Als würden wir in einer anderen welt leben. Wir wissen natürlich auch, dass es auch gewalt gegen männer gibt. Es gibt wahnsinnig viel gewalt gegen junge männer, meist ausgeführt von anderen jungen männern. Aber wenn wir das thema der häuslichen gewalt nehmen und unsere frauen nehmen. Die fürchten oft um ihr leben, also das muss man wirklich sagen. Da geht es um todesängste. Die sind schwerst misshandelt, sie werde terrorisisiert bis aufs blut. Das was wir immer wieder feststellen, ist, dass männer ein wahnsinniges besitzdenken gegenüber familie haben. Die frau gehört mir und die kinder auch. Wir wissen mittlerweile und das ist wissenschaftlich und man kann es auch aus den medienberichten entnehmen, dass die gefährlichste zeit für frauen ist die, wo sie gehen, die zeit der trennung, die, wo die frauen sagen: Ich kann nimmer. Ich verlass jetzt meinen mann, weil sonst passiert furchtbares. Das ist auch die zeit, wo sie am gefährdetsten sind. Und da brauchen die frauen wirklich unterstützung und hilfe. Und wenn sie das nicht erhalten, passiert oft wirklich das was wir dann in den zeitungen wiederfinden, bis hin zur ermordung von frauen und auch kindern. Und ich denke, ein teil dieser haltung ist einfach: Das ist mein besitz und wenn der besitz verloren geht, das lass ich nicht zu. Es gibt einen UN-Report, der besagt, dass 87 000 frauen weltweit 2017 ermordet worden sind und 58 % davon von ihren partnern oder familienangehörigen. Das bedeutet, dass weltweit jede stunde sechs frauen ermordet werden von männern, die sie kennen. UN-Sekretär Antonio Guiterres hat in dem zusammenhang von einer globalen Pandemie gesprochen. Das muss man sehen. Das ist kein einzelfallschicksal, sondern das ist eine politische dimension weltweit, werden frauen ermordet und verfolgt. Auch die schrecklich hohe zahl in Österreich, wo frauen ermordet worden sind und auch heuer schon waren es viele. Das müsste doch irgendwie den menschen langsam klar machen, dass es ein geselschaftspolitisches mann-frau-problem ist. Aber irgendwie wird das immer so verharmlost. Natürlich ist es auch schlimm, wenn ein mann eine ohrfeige kriegt, aber ich denke, der fürchtet nicht so um sein leben. Und das schadet seiner gesundheit nicht in dem ausmaß wie frauen, die jahrelang massiven psychoterror ausgesetzt sind. Das sind einfach andere dimensionen. Natürlich muss man auch männern helfen, die ein problem haben, das ja gar keine frage. Wir haben zum glück in Österreich Männerberatungsstellen. Es gibt nicht so wahnsinnig viele, die sich dorthin wenden mit diesem thema, aber sie stehen ebenfalls zur verfügung. Männer, die merken, dass sie gewalttätig sind und das ändern möchten. Das finde ich ist eine großartige geschichte, weil wenn ich spüre, ich habe mich nicht im griff, ich bin übergriffig und und und. Das wäre ein ziemlich mutiges männliches zeichen und signal.“

Häusliche Gewalt ist keine Privatsache

„Ja, wir haben dann 1978 das erste Frauenhaus, wo dann frauen endlich eine möglichkeit hatten, hinzuflüchten, aber was uns dann so beschäftigt hatte, war das thema des „böswilligen verlassens“. Die gewalt wurde also nicht anerkannt als ein grund, die beziehung zu verlassen, sondern es hieß „böswilliges verlassen“ und war ein grund, der eigentlich gegen die trennung und gegen die frau verwendet wurde.  Dahinter stand ein sehr konservatives bild von der unauflöslichkeit der ehe oder „das war auch schon bei meiner mutter so“ oder „das hat einfach eine frau auszuhalten“, aber auch und das finde ich sehr entscheidend, dass es ein stück weit privatsache ist. Und ich glaube, dass es eine der größten leistungen in der frauenhausbewegung war, dass sie gesagt haben, nein, häusliche gewalt ist keine privatsache, sondern das geht uns alle an. Im gegenteil, wir haben als gesellschaft die aufgabe, uns einzumischen. Wir müssen frauen und kinder schützen und wir müssen zivilcourage beweisen. Wir müssen stellung beziehen und frauen müssen rechte haben, damit sie sich das nicht gefallen lassen. Das klingt jetzt so banal, weil es ein stück jetzt schon so selbstverständlich ist. 1978 war das überhaupt nicht selbstverständlich. Da war, was hinter der verschlossenen tür passiert, das darf nicht nach außen dringen. Und ich denke mir, das war eigentlich ein großer schritt, den wir errungen haben, dass häusliche gewalt keinesfalls eine privatsache ist.

Rechtlich hat sich viel getan, aber es gibt wenige Verurteilungen

„Ja, ich glaube auch, dass wir viel erreicht haben und das – und darauf bin ich auch sehr stolz- auch auf gesetzlicher ebene. Wir haben bei vielen gesetzen in diesem bereich die initialzündung gegeben, sei es stalking, sei es die fortgesetzte gewaltausübung, sei es vergewaltigung in der ehe. Die war ja erst 1989 strafbar. Bis dahin konnte ein mann ohne jede angst vor strafe seine frau jeden abend vergewaltigen. Das muss man sich erst einmal vorstellen. All das ist heute schon so undenkbar. Das war die realität der frauen, die in dieser zeit gelebt haben oder davor. Da haben wir wirklich viel erreicht. Da können wir auch stolz drauf sein. Da wo es nicht ganz klappt, ist zum beispiel: Wir haben eine wahnsinnig niedrige verurteilungsrate. Das heißt, es gibt zwar gesetzliche möglichkeiten, aber es gibt viele freisprüche, viele einstellungen von verfahren. Das macht uns immer wieder sehr unglücklich, weil eine einstellung von einem verfahren bedeutet für die frau wieder ein stück weit eine demütigung und es bedeutet auch einen freibrief für den täter, weil er weiß ja, was er getan hat und wenn er weiß, dass er einen freispruch bekommt, bedeutet das für ihn, ja das war eh okay, sein handeln und wird nicht staatlich sanktioniert. Das ist natürlich sehr beklemmend und wenn man dann bei einer reform nur daran dreht, dass man die strafen erhöht. Das ist leicht gedreht, das kostet nicht viel. Präventiv machts keinen sinn, weil kein mensch überlegt sich, bevor er jemanden schlägt oder eine frau vergewaltigt, wie das mindestmaß seiner strafdrohung ist, also für eine prävention ist so eine erhöhung der strafe sinnlos. Und wenn man eh keine verurteilung hat, hat man auch nicht von einer erhöhung der strafe. An dieser schraube zu drehen, wäre schwieriger, wäre kostenintensiver. Das ist auch jetzt nicht passiert. Wir bräuchten eine verpflichtende schulung für richter*innen und staatsanwält*innen. Ich möchte vorweg sagen, wir haben superrichter*innen und staatsanwält*innen. Es ist keinesfalls so, dass man diese berufsgruppen in ihrer kompetenz angreifen will, aber es müssen bürger*innen ein recht darauf haben, dass man auf ein verständnis für traumatisierung, familiäre gewalt oder dynamik für familiäre gewalt stoßen. Da würde eine verpflichtung helfen. Ich glaube wirklich, dass wir da eine personalknappheit haben. Es braucht mehr budget für richter*innen und staatsanwält*innen. Das ist wirklich eine der wichtigen punkte im gewaltschutz.“

Das Wegweiserecht war ein großer Erfolg der Frauenhausbewegung

Einer der großen meilensteine, die letzten endes auch auf grund von initiativen der frauenhäuser gekommen sind, war 1997 das bundesgesetz zum schutz vor gewalt in der familie das wegweisungen und betretungsverbote ermöglichte. Ich kann mich noch erinnern. Wir waren damals noch etwas aktionistischer unterwegs und wir haben da zum beispiel eine aktion gemacht, wo wir uns einen kleinen LKW gemietet haben und auf dem so ein wohnzimmer nachgestellt haben, um zu zeigen, wie der mann bequem vorm fernseher in seiner wohnung sitzt, während die frau im stockbett in einem engen zimmer mit mehreren frauen noch – das hat sich ja schon verbessert, aber damals noch zusammenlebenmussten. Und die haben gesagt, das ist doch überhaupt nicht einzusehen, dass das opfer, die frau und die kinder in institutionen leben müssen und der mann, der täter in diesem fall, in der wohnung bleiben kann. Das war sozusagen die motivation, immer wieder zu fordern, wir brauchen auch die möglichkeit, dass ein gewalttäter aus der wohnung verwiesen wird. Das war damals für die mehrheit unvorstellbar, dass so ein gesetz kommt, weil, dass man jetzt einen mann aus seiner wohnung vertreibt. Das hat schon auch wieder einen gesellschaftlichen paradigmenwechsel bedurft, dass dieses gesetz umgesetzt werden konnte. Und das waren wirklich harte zähe diskussionen zwischen NGO´s und damals dem Justizministerium und auch dem Bundesministerium für Inneres. Da ist wirklich etwas gelungen, gerade in diesen kontroversen diskussionen, die auch wirklich hart geführt worden sind, ist ein gesetz entstanden, für das wir ein paar jahre später in ganz Europa gelobt worden sind. Viele länder in Europa haben das gesetz, das in Österreich entstanden ist, nachher in ihren ländern in ähnlicher form implemetiert. Das war wirklich eine tolle geschichte und ich vermisse die zeit, wo man in ruhe diskutiert hat. Ich habe jetzt das gefühl beim gewaltschutzpaket 3, das ist ja auch sehr ambitioniert begonnen worden, breit begonnen worden mit vielen NGO’s, aber irgendwann ist alles ruckzuck gangen, die NGO’s sind nicht mehr gefragt worden im feinschliff. Das ist dann alles schnellschnellschnell. Ich habe keine ahnung, warum man sich da nicht ein bissl mehr zeit gelassen hat, das noch einmal zu überlegen. Noch einmal nachzubessern, noch einmal zu hören, was die leute aus der praxis sagen. Weil wir sind natürlich unheimlich nah dran an den familien. Wir kriegen ja die frauen tag und nacht mit, auch die kinder. Die leben ja bei uns. Wir sehen, ob sich kinder auf einen besuch mit dem vater freuen oder furchtbar fürchten, wir sehen, ob eine frau ganz entspannt zur scheidung geht oder vor angst in einen ausnahmezustand kommt. Wir sehen so viele dinge oder wir kriegen mit, ob eine frau liebevoll mit einem kind ist oder wir eigentlich maßnahmen setzen müssen, wo sie unterstützung in der erziehung bekommt. Und dass diese stimme nicht gehört wird, das geht nicht. Diese stimmen der NGO’s, das ist genauso wichtig wie die der staatlichen organe. Ich habe das gefühl, dass wir jetzt eine gesellschaft und auch das gewaltschutzgesetz 3, dass das ein bissl das polizeischutzgesetz, also opferschutz aus sicht der polizei. Das, was die NGO’s gesammelt haben, das ist teilweise eh angenommen worden, aber es ist dann so ausgelegt worden, wie es die polizei sieht, weil’s ein gesetz war, das aus dem Innenministerium herausgekommen ist. Und die ganze abwertung der NGO’s, das ist jetzt was neues. Da ist auch die Caritas im vorjahr massiv angegriffen worden. Aber was wäre unsere gesellschaft ohne NGO’s, unserer zivilgesellschaft. Das würde ja alles nicht funktionieren. Es braucht uns alle. Es braucht die zivilcourage, es braucht die NGO’s und es braucht die staatlichen organe. Die haben viel und gut platz nebeneinander und wenn man in gegenseitigem respekt zueinander plant.“

Frauenpolitik erfordert Mut

„Wenn ich sag, ich bin frauenpolitisch aktiv, dann muss ich mutig sein, dann muss ich mich traun, unliebsamen haltungen entgegnen. Also wir haben immer wieder in der vergangenheit themen  gesetzt, die auf wahnsinnig viel widerstand aber auch häme gestoßen sind, aber das muss man erst einmal aushalten, dass die leut immer wieder sagen: Ja, das ist ja lächerlich, das geht nicht und ich weiß nicht wie oft ich immer noch höre: Ja, Frau Brem, das ist doch falsch und ein unsinn. Ich weiß aus der praxis, dass es nicht falsch ist und ich weiß, wenn wo ein politischer wille ist, immer auch ein politischer weg ist, um etwas umzusetzen, wenn man sich traut. Und wenn als feministin denke ich mir, muss man was aushalten und dass man trotzdem bei seiner meinung bleibt. Ich erleb schon frauen, die sagen, sie sind frauenpolitisch aktiv, aber wenn dann ein unliebsamen thema, z.B. die gemeinsame obsorge, kommt, dann ist man plötzlich ganz schnell im mainstream und schwimmt mit, dass eh alles gut ist und dass wir eh schon so gleichgestellt sind und dass das eh nur die ganz radikalen feministinnen fordern. Dabei basiert das gesetz der gemeinsamen obsorge auf einem falschen gesellschaftlichen grundsatz, weil man geht in diesem gesetz davon aus, dass die rechte und pflichten von männern und frauen gleich sind. Aber so ist es ja nicht. Frauen verdienen weniger, die reproduktive arbeit, die pflege der alten, hausarbeit. Das ist doch noch immer in der mehrzahl, das trau ich mich zu behaupten, in der mehrzahl der familien bei den frauen. Und ich erleb wirklich viele frauen, die jahrelang- und das sind wirklich jahre – in obsorgeverfahren stehen mit ihren kindern, die kinder leben bei ihnen, sie leben in prekären wohnverhältnissen mit wenig einkommen, immer in der angst, dass sie die kinder verlieren. Das heißt, hier taumeln die frauen und kinder in eine große armutsfalle. Das finde ich immer wieder sehr beklemmend und jetzt erlaube ich mir da ein bissl einen polemischen vergleich, aber früher hat‘s g‘heißen „Zurück zum herd!“ Jetzt heißts „Work Life Balance“. Da ist ja alle super, wenn man die „Work Life Balance“ haltet. Wenn man eine gute beziehung hat. Ich spreche jetzt von paaren, die kinder haben. Wenn da alles gut ist, ist es eh fein. Das problem ist nur, wenn’s dann nicht mehr alles wonne waschtrog ist, wenn es zur sache geht, dass dann frauen mit 9-10 stunden und schlecht bezahlten jobs vielleicht kaum mehr eine möglichkeit haben, sich ihre miete und ihren alltag zu finanzieren. Und das macht frauen so dermaßen erpressbar, das kann man sich gar nicht vorstellen. Frauen stimmen dann plötzlich allem zu aus angst, auch die kinder zu verlieren und das finde ich wahnsinnig beklemmend.  Ich hoff wirklich, dass man da noch einmal, vielleicht braucht das noch einmal einen neuen schwung, um zu anderen haltungen zu kommen. Dass zum beispiel wirklich bei einer obsorgeverhandlung einmal gefragt wird, was denn der vater bisher gemacht hat, also hat er sich tatsächlich eingebracht. Damit mein ich nicht, dass er einmal in der woche das kind in den kindergarten gebracht hat, sondern hat er die schuh vom kind geputzt, hat er die wäsche gewaschen, hat er das kind gewickelt, hat er mit ihm die mathehausübung gemacht. Putzt er auch die toilette und kocht nicht nur am Sonntag für freunde. Also all diese dinge, die muss man sich noch anschauen als gesellschaft. Wo man sagt, wir sind gleich, mit gleichen rechten, dann muss es auch um die gleichen pflichten gehen und das fehlt leider. Und wenn ich schon über obsorge spreche. Ich bin auch oft so erstaunt, dass traditionelle erziehungsmuster so wenig hinterfragt werden. Also wenn töchter und söhne nicht gleich behandelt werden, wenn mädchen überhaupt keinen freiraum haben, strengen vorschriften gehorchen müssen, dass burschen zum beispiel nicht im haushalt mithelfen müssen. Es gibt familien, wo diese ganz traditionellen familienbilder oder frauenbilder und männerbilder extrem gelebt werden. Das ist finde ich ist ein riesenproblem, weil es auf die folgende generation verlagert wird. Und, das interessante ist, da habe ich jetzt das gefühl, dass wir hier wieder in das kippen, dass gewalt in der familie doch ein bisserl wieder privat ist, dass das was in der familie passiert und auch wenn‘s eine menschenrechtsverletzung ist, ja doch ein bissl die familie angeht, dass wir wegschauen von ungleichheit und rollenbilder übersehen, die eine katastrophe und mittelalterlich sind. Nicht nur, aber doch kommt es vielfach von zuwanderern, die aus sehr patriarchalischen strukturen kommen, nicht von allen zuwanderern, weil zuwandern tun ja wie wir wissen ganz verschiedene menschen, aber natürlich auch leute, die ein frauen-mann-bild haben, das unseren werten einfach nicht mehr entspricht. Und ich finde, da müssen wir als gesellschaft ganz klare haltung zeigen. Dass man da unterschiedliche kriterien bei gericht anlegt oder beim jugendamt, das finde ich, das geht nicht. Das kann einfach nicht sein.“

Die neue Bedrohung der Cybergewalt

„Das thema, das abseits der gemeinsamen obsorge unsere arbeit wirklich sehr erschwert hat ist das thema der Cybergewalt. Wir verstehen unter Cybergewalt einfach das, was mit iphons, überwachung und sonstigen möglich ist. Leider ist es oft so, dass unsere frauen was technisches betrifft nicht sehr affin sind. Das beginnt, dass ihr der mann die accounts für die mails, für whatsapps, fürs handy einrichtet und es finden sich dann auf den handys spywares, wo der mann alles mithört, wo er überwacht, wo er immer weiß, wo die frau ist. Das ist ein teil. Das andere ist einfach, dass beschämende dinge ins internet gebracht werden, oder auf whatsapp gestellt werden und wenn sie sich vorstellen, ein nacktfoto, das in zeiten der liebe gemacht worden ist, wenn ein mann einer lehrerin droht, dass er das foto an ihre schüler*innen schickt, dass ist für die frau wirklich eine katastrophe, weil die ihr leben nachaltigst schädigt. Genauso auch für die afghanische frau, wo der mann das der familie in Afghanistan schickt. Da ist wirklich panik und lebensangst da und da hab ich auch oft das gefühl, dass sich die gewalt immer wieder verändert. Vielleicht schlagen in Österreich vielleicht weniger männer ihre frauen, obwohl die mordrate gar nicht sehr dafür spricht, aber fakt ist, dass diese überwachung schon sehr zunimmt und da spiegelt sich für mich dieses machtungleichgewicht wieder. Es sind überwiegend männer, die ihre frauen überwachen und ausspionieren, kontrollieren und demütigen. Und ich hab so das gefühl, diese form der gewalt wird total unterschätzt. Ich merk, dass die frauen, die zu uns kommen, die so lange kontrolliert und ausspioniert worden sind, das ist ein ganz arges lebensgefühl. Diese ständige angst, dass alles öffentlich werden kann, dass man jederzeit damit rechnen muss, dass wieder irgendwas abgehört worden ist, das macht wirklich eine extreme panik. Die frauen sind wirklich sehr in aufruhr und sehr verzweifelt. Wir haben mittlerweile in unserer beratungsstelle auch, dass wir von frauen, die zu uns kommen und uns davon berichten, verlangen, dass sie ihr handy kurzzeitig wegsperren lassen, damit wir auch sicher sein können, dass das beratungsgespräch ohne mitschnitt erfolgt. Also, da sind wir angekommen und das ist natürlich völlig grauslich und widerlich. Also jemand, der es notwenig hat, seiner frau nachzuspionieren, da denk ich mir, wenn man da nicht erkennt, dass man ein riesenproblem hat, das versteh ich einfach nicht. Das kann einfach nicht sein.

A propos Mindestsicherung: Sozialer Friede kostet Geld

„Wenn ich in zeiten wie diesen höre, dass an der mindestsicherung gekürzt wird, dann denk ich mir, das ist ein wahnsinn für die frauen. Es wird noch schwieriger. Ich meine, es ist eh unglaublich, mit wie wenig ressourcen menschen sozusagen schon zurechtkommen, aber es darf nicht noch weniger sein und ich glaube auch, dass man gerade in großen städten, da ist es vielleicht ein bissl anders als am land, da würde ich wirklich differenzieren, für den sozialen frieden auch ein was zahlen muss. Bringen wir leute dazu, dass sie unter einem minimum an überlebensmöglichkeit leben müssen, dann werden sie auf die barrikaden steigen. Das ist so. So lange man schaut, dass man sich möglichst gut in die gesellschaft integriert, in jobs integriert, das muss natürlich das hauptaugenmerk sein. Aber wir müssen auch sagen, dass es welche gibt, die das nicht können oder nicht wollen. Und die sozusagen durch noch weniger und noch weniger in eine situation zu bringen, wo sie eigentlich keine andere möglichkeit mehr haben wie sich zur wehr zu setzen, das finde ich den falschen weg und ich glaub, wenn Wien die lebenswerteste stadt der welt ist, dann glaub ich auch, dass ein teil davon ist, dass wir ein gutes sozialsystem haben. Das glaub ich wirklich und man mit dem problem von armut und mit leuten, die am rande unserer gesellschaft gehen und nicht in unsere hochleistungsgesellschaft passen, aus verschiedendsten gründen nicht schaffen, mitzuhalten, reinzukommen, dass man denen trotzdem ein gewisses würdiges leben gibt. Ich finde es hochgefährlich, wenn das nicht mehr ist also wenn wir leuten die mindetsicherung kürzen und kürzen, dann glaube ich wird es zu sozialen problemen, zu riesigen sozialen problemen kommen, die mehr kosten werden als das, was sie jetzt eingespart wird, das ist meine tiefe überzeugung.

Lästigbleiben verändert die Gesellschaft

„Ich finde die Frauenhäuser oder die Gewaltarbeit in Österreich ist wirklich eine erfolgsgeschichte und es ist wahnsinn, wie viele frauen und ihre kinder es schaffen, mit hilfe der Frauenhäuser, der Interventionsstellen, der Frauenberatungsstellen und auch der Männerberatungsstellen und auch der Polizei dieser gewalt zu entkommen. Da kann man als gesellschaft wirklich stolz sein. Wir freuen uns wahnsinnig, wenn wir merken, dass frauen zu ihrer kraft zurückfinden, dass sie wieder selbstbewusstsein haben, dass sie vielleicht wieder einen besseren job finden, sich fortbilden, also eine weiterbildung machen, den schlüssel der eigenen wohnung in der hand halten, dass sie wieder lachen und lebensfreude haben und mit ihnen ihre kinder. Das finde ich wahnsinnig schön für uns aber auch für die gesellschaft, aber ich denke auch, dass wir frauen immer auf der hut sein müssen, erkämpftes nicht für garantiert nehmen und für sicher zu halten. Ich glaube, dass wir ganz schnell wieder frauenrechte verschwunden sind, wenn sich die politischen verhältnisse auch verändern. Das geht oft ganz ganz schnell. Wir müssen lästig bleiben. Eine frauenbewegung, die angepasst ist, ist keine frauenbewegung mehr. Wir müssen uns trauen, unliebsame meldungen zu machen, sonst gehen wir am thema vorbei. Vielleich auch manchmal mehr fordern als an das was wir glauben, einfach um bewegung in erstarrte systeme zu bringen. Ja und ich glaub, dass man da manchmal viel persönlichen einsatz leisten muss und auch viel einstecken muss, aber es ist einfach wichtig, lästig zu bleiben. Ich glaub, das verändert die gesellschaft.


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Dazu passende „Gedanken“-Texte von früher:

https://fritzendl.wordpress.com/2009/06/10/uber-mich/ Großeltern aller Länder vereinigt euch

https://fritzendl.wordpress.com/2009/11/28/%E2%80%9Eauslander%E2%80%9C-spo-legte-30-jahre-lang-einen-%E2%80%9Eroten-teppich%E2%80%9C-fur-die-fpo/ SPÖ legte 30 Jahre lang einen roten Teppich für die FPÖ

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http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/GedankenInhaltsVerzeichnis#KinderElternGro%C3%9Feltern Inhaltsverzeichnis „Kinder-Eltern-Großeltern“